Mit Oma in Südafrika

3. und 4. Juni: Johannesburg – Soweto

Kurzfassung:

Nach einer unglaublich langen und mühevollen Anreise, inklusive Koffer-Verlust, geht es auch schon sofort am 4. Juni mit dem Sightseeing los. Wir fahren durch Johannesburg zum Apartheid-Museum und werden mit der konfliktreichen Vergangenheit des Landes konfrontiert. Anschließend besuchen wir ein Selbsthilfeprojekt in Soweto.

Die Details und Fotos:

Am 3. Juni beginnt Oma und mein großes Abenteuer: Eine Reise nach Südafrika. Unser erster Stopp: Das Eisgeschäft am Schwedenplatz. Man muss es ja langsam angehen.

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Danach geht es weiter mit dem Bus zum Flughafen, von Wien mit fast eineinhalbstündiger Verspätung zum sturmgeplagten Flughafen in Frankfurt und von dort mit großer Hetzerei und gerade noch rechtzeitig zum Flugzeug nach Johannesburg.

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Eines ist uns sofort klar: Die Koffer kommen bestimmt zu spät an. Und so stellt sich das dann auch nach unserem 10-stündigen Klimaanlagen-befrorenem Nachtflug heraus (ich mit furchtbaren Krämpfen in den gesamten Beinen geplagt). Jedoch: Nicht nur die Koffer der 3 Wiener unter der Reisegruppe fehlen, es fehlen auch noch 13 andere. Na gut, die werden es ja schaffen, die bis morgen nachzuliefern, somit ist keiner wirklich besorgt. Im Gepäckskammerl sammeln sich Berge von zurückgebliebenen Koffern der letzten Tage, Frankfurt hat ein gehöriges Chaos mit fehlerhaften Lieferungen verursacht.

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Angelika, unsere Reiseleiterin, kommt aus Deutschland, lebt aber seit der Kindheit in Südafrika.

Unsere Reiseleiterin Angelika begrüßt uns gestresst, da wir ja doch erst 2 Stunden nach den glücklichen Gästen MIT Koffer eintrudeln (lange Schlangen und viel Bürokratie), aber dann geht es auch schon los mit unserer Südafrika-Tour. Waky, mein Reisebärchen, ist mit dabei und freut sich auf Elefanten. Da muss er aber noch warten!

Wiederbelebungsversuche meiner Beine sind vergeblich, dennoch gehen wir es munter an und fangen beim Apartheid Museum an. Unterwegs erzählt uns Angelika etliches über die Kultur und Geschichte des Landes, auch vieles über Pflanzen und das Wetter. Zum Beispiel sind fast alle Bäume Südafrikas importiert (Ausnahmen sind unter anderem der Baobab-Baum oder die Schirmakazie). Sieht man im afrikanischen Winter (also jetzt) Pflanzen blühen, dann sind es zu 99% exotische, 1 % ist der Korallenbaum. Viele der Exoten, wie der Eukalyptus, dürfen nicht mehr gepflanzt werden, da sie dem Boden zu viel Wasser entziehen. Spannend ist die Geschichte zum Fieberbaum: diese spezielle Akazie mit den gelben Stämmen wurde früher verantwortlich für die Symptome der Malaria gemacht. Damals schliefen die Leute im Tal unter den Bäumen, kümmerten sich um ihre Felder oder um das Vieh. Immer wieder brach Malaria unter den Stämmen aus, welches sich durch starkes Fieber zeigte, und sie machten die Bäume dafür verantwortlich. Wenn sie dann zum Beispiel im Winter oben auf den Bergen in ihren Häusern zurück waren, gab es diese Krankheit viel weniger, daher auch der Trugschluss. Allerdings lag das daran, dass die Anopheles-Fliege, die Malaria überträgt, nur in den Tälern zu finden ist. Interessant ist ebenfalls, dass die Bäume hier keine Jahresringe haben, da sie ununterbrochen wachsen. Im Winter liegt die Durchschnittstemperatur bei 20-25 Grad, da ist ihnen nun einmal nicht zu kalt. Die einzigen Situationen wo sie pausieren ist bei Stürmen oder extremer Trockenheit. Wir erfahren außerdem viel über Mandelas Geschichte, Armut, Kriege und Rassismus. Auch im Museum – wo wir leider nur eine Stunde Zeit haben – verschaffen wir uns einen ersten Überblick über Afrikas Vergangenheit.

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Anschließend fahren wir durch Soweto in eine Siedlung, die vom Kliptown Youth Program aus betrieben wird. Dort lernen wir Südafrikas ärmste Seite kennen. Die Menschen leben in winzigen Baracken, mit kleinen Gärten, geteilten Wasserstellen, abgezapften Energiequellen (um ihr Handy zu laden, denn auch die, die gar nichts haben, haben auf jeden Fall ein Handy, die Statistik besagt, dass auf die etwa 55 Millionen Einwohner 62 Millionen Handys kommen) und im großen Dreck. In dieser Siedlung geht es ihnen aber besser, als denen, die überhaupt auf sich gestellt sind. Sie haben Gemeinschaftsräume, Bildungsmöglichkeiten, ein wenig Essen und sogar einen gesponsorten Medien-Raum in dem sie den Umgang mit dem PC erlernen können. Niemand dort ist zum Betteln erzogen worden, die Kinder winken alle und lachen uns an. Ein Kind begrüßt uns mit einem Trompetenstück (das Instrument gebastelt aus einem großen Rohr). Theoretisch sollten uns einige mit Tänzen und Musik begrüßen, jedoch ist dem Manager der Siedlung letzte Nacht das Haus abgebrannt (etwas, das hier regelmäßig passiert) und er hat leider keine Zeit für uns. Überall liegen Berge von Müll herum, nicht nur in der Siedlung sondern überall auf Südafrikas Straßen. Diese werden zumeist illegal verbrannt, was öfters große gefährliche Brände auslöst.

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Beim FNB Stadion halten wir für einen kurzen Fotostop. Unterwegs durch Soweto sehen wir die zwei großen Türme, von denen sie Bungee Jumping anbieten, erfahren etwas über die Medizin in Südafrika (scheinbar forschungstechnisch und in den Spitälern weit fortgeschritten, weswegen viele AusländerInnen dorthin studieren kommen wollen), über Religionen (es gibt so viele Glaubensrichtungen und für alle eigene Uniformen) und noch mehr von Mandela und Denkmälern, wie jenes des Hector Pietersons, der als 12-jähriger Schüler, im Rahmen der Soweto-Aufstände gegen das Apartheidsregime, von Polizisten erschossen wurde.

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Abends im Hotel geht es mir sehr schlecht. Meine Beine sind wieder normal, aber mich hat eine schlimme Migräne überfallen. Das tolle große 3-Gänge Menü muss ich fast zur Gänze verschmähen und auch Oma ist schon müde. Im Flieger hat sie nur 3 Stunden geschlafen.

5. Juni: Pretoria – Hazyview

Kurzfassung:

Es geht nach Pretoria zum Voortrekker-Monument, das von der Geburt des Burenstaates erzählt und zu den Union-Buildings, dem Sitz der Regierung, der 1994 von Mandela im Triumph in Besitz genommen wurde. Dort steht auch die ihm zu Ehren errichtete Statue. Mit dem Bus fahren wir nach Hazyview und Angelika befüllt unsere Köpfe weiterhin mit zahlreichen Informationen über das Land.

Die Details und Fotos:

Um halbsieben werden wir aus einem wunderbar tiefen Schlaf geweckt. Das Hotel in dem wir wohnen übertrifft übrigens weit meine Erwartungen. Es ist ein enormer Luxus und ein krasser Kontrast zu dem, was wir zuvor in der Siedlung gesehen hatten. Man fühlt sich fast schuldig. Nach einem guten Frühstück am Buffet werden unsere Koffer – na gut, die wenigen die da sind – abgeholt und in den Bus gebracht. Unser Busfahrer heißt Donald und begleitet uns auf der ganzen Reise. Die Koffer werden auch heute nicht kommen, da sie noch nicht im System eingescannt wurden. Sie sind aber bereits in Johannesburg.

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470km

Heute fahren wir 470km Richtung Hazyview, was in der Nähe des Kruger National Parks (Krüger ausgesprochen, ist nach einem deutschen Farmer benannt) liegt. Unterwegs erzählt Angelika so viel, dass uns die Fahrt überhaupt nicht schlimm vorkommt. Wir halten außerdem an diversen tollen Plätzen an, zuerst beim Voortrekker Monument.

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Die Voortrekker waren Holländer, die vor vielen Jahren nach Südafrika kamen und in Port Elizabeth gelandet sind und von dort versucht haben – im Zuge einer grausamen langen Geschichte des Kampfes gegen Natur und Einwohner – sich niederzulassen. Das Denkmal erzählt mit Stickereien und Wandreliefs die aufregende Geschichte. Es lohnt sich, da mal nachzulesen! Von oben sieht man weit über die Stadt und das Land. Der Garten ist auch sehenswert, da so viele Blumen blühen.

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Unser nächster großer Halt ist das Mandela-Denkmal bei den Union Buildings, unglaublich imposant. Es wurde kurz nach seinem Tod aufgestellt. Anschließend erfahren wir im Bus viel über die politische Entwicklung des Landes. Lange durften nur Weiße wählen, als Mandela aus dem Gefängnis kam, hat dies wesentlich zur Verbesserung der politischen Situation geholfen.

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Es dauerte dennoch etliche Jahre, bis endlich das Wahlrecht für die Schwarzen durchgesetzt wurde (etwa gegen 1994). Auch erfahren wir etwas über den Boykott an Südafrika in den 60er und 70er Jahren. Länder wie Großbritannien fanden die Situation in Südafrika nicht gut, und verbaten entweder den Handel, oder so wie im Falle Englands, die Teilnahme an Mannschaftssportwettkämpfen. Das schmerzte Südafrika natürlich – als DAS Land der großen Fußballer – unglaublich. Auch Cricket spielen sie gerne, und auch darin durften sie nicht mehr antreten.

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Danach geht es ans Muss-Shoppen, weder Oma noch ich haben Lust, aber Donald hält netterweise an einem Einkaufszentrum, wo wir etwa 40 Minuten Zeit haben, uns die notwendige Kleidung zu beschaffen. Wir kaufen uns 2 Tshirts, Unterhosen und frische Socken, auf mehr haben wir keine Lust. Die Fluglinie übernimmt 75 Dollar pro Person, für jeden Tag, an dem der Koffer noch nicht da ist.

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Unterwegs aus dem Bus: Die Südafrikaner haben oft keine richtigen Geschäfte, sondern bieten Waren und Dienstleistungen (Kleidung, Haarschnitte, Autowäsche, Schuster-Arbeiten, etc.) auf der Straße an.

Jetzt etwas zum Leben hier: 97% aller Farmen sind trotz des Ende der Apartheid immer noch im Besitz der Weißen. Die Leute leben hier von Baumwolle, Mais, Zuckerrohr und anderem Anbau, sowie von diversen Früchten (vor allem Orangen sind an jeder Ecke zu finden) und Viehzucht. Kurz dazu: Die einzige einheimische Frucht ist die Marulafrucht, dieser wird nachgesagt, die Tiere betrunken zu machen. Diese Trunkenheit kommt allerdings gar nicht vom Saft der Frucht, sondern von speziellen Käfern die in den Bäumen leben. Erst vor kurzem wurden Elefanten im Kruger Park fotografiert als sie betrunken herum torkelten und auf die Hinterfüße fielen.

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Der Anbau von Obst, Gemüse und Getreide ist eines der größten Pfeiler der südafrikanischen Wirtschaft, so wie auch die Viehzucht.

Jedenfalls können die Afrikaner auf Märkten ihre Früchte verkaufen, auch die Arbeitslosen dürfen das. In Städten verkaufen viele einfach irgendwelche Waren auf den Straßen, die liegen dort in Haufen neben ihnen am Straßenrand. Darunter leider auch die Kleidung, die wir in Humana Container werfen, die wird zwar nach Afrika geschickt, dort geht sie aber in der Lieferungs-Kette verloren und wird erst recht verkauft, anstatt gespendet.

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Abends checken wir in Hazyview ein, ein tolles Hotel in der Nähe des Kruger Parks, mit einem hauseigenem Fluss. Dort finden wir einen winzigen Babyalligator, aber auch vor Hippos wird gewarnt. Diese sehen wir jedoch nicht. Das Hotel ist unglaublich schön und hat eine tolle Atmosphäre – mehr afrikanisch als das schicke Hotel die Nacht zuvor.

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