May all your trails be crooked,
winding, lonesome, dangerous,
leading to the most amazing view,
where something strange and more beautiful and
more full of wonder than your deepest dreams waits for you.

[Edward Abbey]

Das Highlight gegen Ende meiner großen Reise, diesmal ganz allein: Ein Tag bei bis zu 50° in der Wüste Death Valley’s.

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31. Juli 2016

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Um 07:00 läutet der Wecker, denn ich habe eine große Reise vor mir, und die wahrscheinlich anstrengenste.

Das Ziel: Ein Motel in Bishop. Die Strecke: 418 km. Alleine durch die Wüste. Bei 50°.

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An und für sich eine Strecke von etwa 3 ½h, aber ich weiß, dass das Ganze viel länger dauern wird, denn immerhin fahre ich durch den Death Valley Nationalpark, und dort gibt es viel zu entdecken – unglaublich viel.

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Death Valley Facts – ein Areal der Extreme

Höchste, gemessene Temperatur: 134°F / 56,7°C
Niedrigste, gemessene Temperatur: 15°F / -9°C
Meister Regen in einem Jahr: 11,53 cm, 1913
Heißester Sommer: 40 Tage lang über 49°C, 1996
Temperatur am 31.07.2016: wechselnd zwischen 40-50°C

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Los geht es um 08:00, vom Hotel dorthin dauert es nur 25 Minuten, und dann geht’s auch schon hinauf zur ersten Sehenswürdigkeit: Dante’s View. Das Erste was ich sehe: ein Schild, dass vor Bienen warnt. Finde ich es erst noch lustig, dass man vor Bienen warnen muss, vergeht mir das Lachen beim Aussteigen sofort – sie sind überall (und beim Abfahren bemerke ich, dass ich genau über einem Fleck mit süsser Flüssigkeit geparkt habe, und somit gerade um mein Auto herum die meisten Bienen sind).

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Und diese Bienen sind nicht so wie unsere freundlichen Bienen, sie verteidigen ihr Revier – den Parkplatz – wie Wachhunde und fliegen einem surrend um die Ohren. Ich lasse mich nicht zu viel davon stören (die, die mich kennen, wissen, dass ich in Wahrheit mit panischem Gesichtsausdruck wild herum gelaufen bin…) und genieße trotz der Kampfbienen den Ausblick auf die hügelige Wüste und vor allem aber auf das weiße Salzfeld Badwater. Badwater ist etwas ganz Besonderes, denn es liegt 85 Meter UNTER dem Meeresspiegel.

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Unterwegs ist der nächste Aussichtspunkt der Zabriskie-Point, den ich auf meine typische Art und Weise, ganz non-touristisch, runderherum erkunde, indem ich in den Canyons dieser Sandfelsen herumklettere und nach besseren Aussichten suche. Die touristische Aussichtsplattform besuche ich natürlich auch danach, und ich muss sagen, sie ist wohl wirklich durchdacht platziert worden: Es ist unglaublich schön!

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Death Valley hat so viel unterschiedliche Landschaft zu bieten, zwar alles Wüste, aber darunter Hügel, Steppe, Felsen aus unterschiedlichstem Material, Sanddünen, Salzkristallfelder, viele Pflanzen und Tiere (immer wieder läuft mir ein streifenhörnchen-ähnliches-Rattenwesen fast vor das Auto) und so viel mehr!

How could rocks and
sand and silence make
us afraid and yet
be so wonderful?

[Edna Brush Perkins,
The White Heart of Mojave, 1922]

Auf dem Weg nach Badwater komme ich beim Golden Canyon vorbei, in den ein breiter Pfad hinein führt. Ich ignoriere die 40 Grad und gehe hinein. Linkerhand zweigt ein „netter kleiner“ Pfad ab, der für mich interessanter ersscheint, als der, den sowieso alle entlang gehen. Unterwegs hinauf durch den Schotter kommt mir eine Familie entgegen, ich frage wie weit es noch hinauf geht, er meint es ist nett da oben, aber ich muss aufpassen, es sei sehr rutschig, ob eh jemand unten auf mich wartet. Als ich verneine (und das gewohnte: „Ooooh“ erhalte) meint er ganz besorgt: „Pass bitte auf“. Ich denke mir, es ist doch nur ein bisschen Schotter, und gehe weiter. Aus dem bisschen Schotter wird ein bisschen Klettern, viel Schwitzen und dann am Schluss ein: „Wie komm ich da je wieder herunter?“ Auf allen Vieren geht’s bergauf, bis ich nicht mehr kann, zur Seite auf den Fels klettere, meine paar Fotos schieße und mich mit zitternden Knien abermals auf allen Vieren wieder hinunterkämpfe. Ein wenig Todesangst auf einer Reise kann doch nie schaden!

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Bergauf ist’s schnell, bergab ist’s schlimm. Aus meinem Fast-Absturz vor vielen Jahren habe ich allerdings gelernt, und bleibe mit dem Bauch dem bösen Canyon zugewandt (ich war in meiner Kindheit einmal der Meinung, ein Abstieg von einem Felsen mit den Händen abgestützt zwischen den Beinen, dem Rücken zum Fels und einem anschließendem Purzelbaum bis exakt genau zur Kante eines Abgrundes, sei die richtige Methode sich bergab zu bewegen…). Als ich unten ankomme, bin ich mehr als erschöpft. Keine Übertreibung! Ich habe bereits 5L getrunken, aber viel von dem ist wahrscheinlich nicht geblieben, denn laut Auto hat es mittlerweile 49 Grad und mir ist sehr, sehr heiß. Der Kreislauf ist auch nicht begeistert, und ich beschließe, das Klettern für heute gut sein zu lassen. Es ist bereits 12:00 und die Sonne lässt einen das ganz genau spüren. Die Wüste kennt eben keine Gnade!

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Der naechste Halt ist dann Badwater. Es erhielt seinen Namen von einem Bauern, der seinen Esel auf der Suche nach Wasser dorthin brachte. Doch dieser konnte es nicht trinken, denn es war „bad water“, aufgrund des hohen Salzgehalts. Überall sind auch kleine Loecher mit Salzflächen, ein kleiner Junge nascht von jedem. Kein Wunder, denn wenn man wirklich drin stehen will, geht man gute zehn Minuten in die große weiße Fläche hinein, und dann ist man erst am Anfang davon, ein bisschen Salz zu schlecken schadet alos bestimmt nicht unterwegs. Es ist aber ein toller Anblick.

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Richtet man den Blick zurück Richtung Parkplatz und dann hinauf in die Felsen, sieht man irgendwo oben ein großes Schild, auf dem „Sea Level“ steht. Es gibt auch andere Orte in der westlichen Erdhalbkugel, die unter dem Meeresspiegel sind, aber keiner so weit.

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Zurück fahre ich eine ganz besondere Einbahnstraße: Den Artist Drive – der meiner Meinung nach schönste Teil der Wüste. Vor mehr als 5. Mio Jahren gab es vermehrte Vulkanausbrüche, bei der sehr viele Mineralien freigesetzt wurden. Durch Hitze, Wasser, Sauerstoff und andere Elemente wurden daraus riesige Felsen in verschiedensten bunten Farben, grün, rot, violett, orange vor allem. Es sieht wahrlich aus, wie eine große Farb-Palette eines Künstlers. Wunderschön!

>> Mein Wüsten-Highlight: Der Artist Drive! Muss auf jeden Fall befahren werden. Ein wunderschönes Farbspiel in den Felsdünen! <<

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Weiter geht es zum Furnace Creek Visitor Centre, wo man die Nationalparkgebühr bezahlen muss und ein kleines Museum inklusive Kurzfilm besuchen kann. Dort erfahre ich auch, dass das Streifenhörnchen-Ratten-Wesen ein „White-tailed antelope ground squirrel“ ist, und dass eine Känguruh-Ratte theoretisch ihr Leben lang ohne Wasser zu trinken überleben könnte. Dort sehe ich auch die Bilder vom „Racetrack Playa“, einer Rennstrecke für Felsen. Diese hinterlassen richtige Spuren im Sand, denn sie wandern. Die Theorie dazu ist, dass manchmal der Regen den Boden so aufweicht, dass er rutschig wird, und ein starker Wind die Felsen bewegen kann. Manche sind schon 457 Meter weit gereist. Es gibt noch viele andere Theorien, denn aktiv zugesehen, wie die Felsen sich bewegen, hat noch niemand. 

>> Unbedingt VOR Einfahrt in die Wüste tanken. Es gibt zwar bei Furnace Creek eine Möglichkeit, aber die Preise sind unglaublich hoch…! Theoretisch geht sich ein Tag in Death Valley mit einem Tank gut aus. <<

Nach einem Snack, bringe ich nur noch eine lange Autofahrt durch den Rest des Nationalparks hinter mich, denn die Straße zu Scotty’s Castle ist gesperrt, und somit auch die zu den Renn-Felsen, aber diese hätte ich mit meinem Mietwagen sowieso nicht befahren können. Es lohnt sich bestimmt, sich vor Ort fuer den Tag einen Jeep auszuleihen! Es gäbe auch noch eine natürliche Brücke im Fels und den „Devil’s Golfcourse“ zu sehen, alle auf Schotterstraßen, die ich Sid’s Reifen nicht zutraue. Auf der restlichen Strecke halte ich noch bei den Mesquite Flat Dunes an, und stehe inmitte von Sanddünen, also dem, wie man sich vermutlich die Wüste am ehesten noch vorstellt.

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Anschließend bringe ich nur noch eine unglaublich weite Strecke nach Bishop hinter mich, und komme dort erst gegen 20:00 an. Ich habe also um die 9 ½ Stunden im Nationalpark selbst verbracht. Unterwegs sehe ich auch noch weitere nette Landschaften und überall sind Warnungen vor Klapperschlangen.

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Mein Motel in Bishop ist süß, eher wie eine kleine Wohnung, weil immer zwei Zimmer in einem kleinen Häuschen untergebracht sind. Ich lege mich bald schlafen, da ich ziemlich k.o. von diesem Tag bin. Eindeutig aber mein Lieblingstag auf der ganzen Reise!

In die Wüste geschickt: Death Valley

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