Neujahr in Muenchen

31.12.2015

Um 13:30 machten Danielle, Eli, Dominik und ich uns auf den Weg zu den Bayern, denn Silvester in Oesterreich hatte uns nicht sonderlich gereizt. Wir hatten Karten fuer das Tollwood Silvesterfest auf der Muenchner Theresienwiese, wo auch alljaehrlich das Oktoberfest stattfindet. Wir erreichten Muenchen schon um 18:30. Dominik und ich hatten ein Zimmer in einer Pension mit geteiltem WC und Bad gebucht, Eli und Danielle ein Hotel das nur 10 Minuten zu Fuß von uns entfernt war. Wir machten es uns zuerst gemuetlich im Zimmer und zogen uns fuer das Fest um. Das Zimmer war wunderschoen und ich kann die Pension nur empfehlen; Belo Sono heißt sie. Alles war sauber und es gab Tee, Kaffee, einen Kuehlschrank, die sanitaeren Anlagen waren ebenfalls rein, und obwohl niemand da war, konnten wir uns selbst einchecken aufgrund des dort vorhandenen Schluesselsafes. Sie war auch liebevoll dekoriert und hatte tadellos funktionierendes W-Lan. Es war ruhig und von den anderen BewohnerInnen war nichts zu sehen. Sogar einen taeglichen Reiningungsservice gibt es, unsere Betten wurden immer aufgeschuettelt.

Um 20:30 waren wir dann bei Eli und Danielle im Hotelzimmer um uns auf den Partyabend vorbereiten. Kartenspiele, Dinner for One und Bleigießen waren klarerweise am Programm, auch die Manner-Fischchen. Das Bleigießen erwies sich als sehr aufregend, da wir Angst hatten, den Feueralarm auszuloesen und erst bei offenem Fenster und nachher im Badezimmer mit dampfender Dusche bleigossen. Ich habe fuer dieses Jahr einmal beschlossen, ich moechte keinen Drachen oder ein Schiff sehen und hab mein Werk so lange gedreht und gewendet, bis ich etwas anderes sehen konnte: ein flammendes Herz. Das war mir dann zwar fast zu kitschig, aber trotzdem. Feuer = Licht ins Dunkel, oder schlechte Eigenschaften abgewoehnen, Leidenschaft,… Herz = Liebesglueck, Freude, Glueck.

Die Party erreichten wir um 23:00. Im Nachhinein erfuhren wir, dass zur Silvesternacht Terrorwarnung in Muenchen war, und angeblich gab es die groessten Sicherheitsmaßnahmen. Nicht bei uns, wir Maedels konnten einfach durchgehen, weil die maennliche Security uns nicht abtasten durfte, und Dominik wurde kurz einmal abgestriffen, und obwohl er zahlreiche Dinge in den Taschen hatte, nicht weiter gebeten sie zu leeren. Also von Terrorpanik keine Spur. Auch sonst sahen wir wenig Polizei, aber wir waren ja auch nicht direkt beim gesperrten – und besonders von den Warnungen betroffenen – Hauptbahnhof.

Die Party selbst war an und fuer sich sehr gut, es gab verschiedene Musikzelte, vor allem cool waren Jazz und Boogie, Rockabilly, und dann halt noch so normale Sachen. DJs und Life-Bands, vorlaeufig. Aber Mitternacht war nicht so cool, wir haben einen Sekt draußen abgegeben um ihn zu Mitternacht zu trinken, und sind somit nicht in den Zelten gewesen. Wir hatten uns ein großes Feuerwerk und einen tollen Countdown erwartet, es gab aber weder noch. Wann Neujahr anfing, war also Gefuehlssache, beziehungsweise der Blick auf’s Handy wann die Uhr umspringt. Das Feuerwerk war innerhalb von einer Minute kaum noch zu sehen, da alles verraucht und nebelig war, und sowieso eher nur klein gehalten. Das war ein bisschen enttaeuschend. Dafuer war die Party eben umso besser, und wir blieben dort auch bis 03:00.

Nach den sommerlichen Weihnachten in Wien gab’s in Muenchen uebrigens weißes Silvester.

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1.1.2016

In der Nacht, oder eher schon gegen 05:00 hoerte ich zum ersten Mal unsere MitbewohnerInnen – eine haemmerte minutenlang panisch an die Nachbarstuer, weil ihr Zimmergenosse sie offenbar nicht reinließ sondern tief und fest schlummerte, und schrie verzweifelt mit Schweizerischem Dialekt. Das ging sehr lange so, und irgendwann gab sie es wohl auf. Sonst war aber auch am naechsten Morgen alles wie ausgestorben, und die Straßen – als ich mich um 12:30 aus dem Bett schaelte – total leer. Das war dann auch so den ganzen 1.1. – entweder wegen der Terrorangst, oder weil alle zu lange gefeiert hatten.

Um 15:00 trafen wir uns mit Eli, Danielle und einer Touri-Gruppe fuer eine Fuehrung durch die Altstadt bei der Mariensaeule am Marienplatz. Es ist die aelteste Mariensaeule und ist außerdem ein Außenaltar, etwas was sehr selten ist, und beherbergt den Schluesselbeinknochen des Muenchner Stadtpatrons St. Benno von Meißen. München war früher extrem klein, bestand eigentlich sehr viele Jahre nur aus der Altstadt, da keine Stadt mehr von der Pest heimgesucht wurde als München, und es daher nie viele Einwohner gab. Sie fängt erst seit kurzem so richtig an zu wachsen. Am Marienplatz befinden sich auch noch das alte und das neue Rathaus, wobei das neue aelter sieht als das alte… Das neue Rathaus ist eine Schande fuer die (doch sehr patriotischen) Muenchner, da die Entwuerfe nicht von einem renommierten bayrischen Architekten, sondern von einem 23 Jaehrigen – oesterreichischen (hier liegt auch das Problem) – Architekturstudenten stammen. Es sieht auch ein bisschen aus wie unser Wiener Rathaus und ist ebenfalls im Stil der Neugotik errichtet worden. Wie auch bei uns die Ankeruhr haben die Muenchner ein Glockspiel das die Stadtgeschichte erzaehlen soll, diese befindet sich oben am Turm des neuen Rathauses und erzaehlt von der Pest und den Schaefflertaenzen (Schaeffler haben Faesser hergestellt), die nach einer Pestepidemie stattgefunden hat, um die Bevoelkerung darauf aufmerksam zu machen, dass die Straßen wieder sicher sind. Seitdem gibt es alle sieben Jahre Schaefflertaenze durch Muenchen’s Straßen, das naechste Schaefflerjahr ist 2019. Außerdem erzaehlt die Spieluhr auch von Herzog Wilhelm V.s Hochzeit mit Renate von Lothringen, bei der es ein Ritterturnier und anschließend 18 Tage Freibier und Freiochs gab. Interessant ist auch die Vorgeschichte zum Oktoberfest. Anschließend sahen wir uns die Frauenkirche an und hoerten, wie der Teufel vom Architekten dieser Kirche ausgetrickst wurde. Der Deal war, dass der Teufel ihm hilft, die Kirche innerhalb von 20 Jahren herzustellen (ueblicherweise haette es an die 100 gedauert), aber er duerfe kein einziges Fenster sehen wenn er die Kirche betritt. Der Architekt hat das wortwoertlich genommen und die Saeulen in der Kirche so gebaut, dass sie alle Fenster verdeckten. Da wurde der Teufel boese, aber konnte nichts mehr tun. Anschließend machten wir uns auf den Weg zum Michael Jackson Denkmal, welches vorm Bayerischen Hof steht, wo er selbst oft genaechtigt (und ein Kind aus dem Fenster gehalten) hat. Das Denkmal wird von drei Frauen privat betrieben, sie haben einfach irgendwann Mal Fotos aufgeklebt und Kerzen zu einer Statue gestellt, und da diese staatlich ist, konnte niemand etwas tun, die Voraussetzung war aber, dass es immer sauber dort ist. Vor allem die Taxifahrer fanden die Statue grauenvoll, und einer hat einmal ueberall Taubenfutter aufgestreut in der Hoffnung, dass die Tauben auf die Bilder und Geschenke machen, aber selbst diese hatten Respekt vor Michael Jackson. Weiter ging es durch die 5 Hoefe – Einkaufspassagen die im Motto der Natur gebaut wurden – zur Residenz, der Staatsoper – die einmal abgebrannt ist und mit Bier aus dem Hofbraeuhaus geloescht wurde – und den Gluecksloewen. Die Gluecksloewen stehen vor der Residenz und sollen Glück bringen und Geld wenn man sie streichelt. Die Geschichte gibt’s hier dazu und es lohnt sich wirklich, sie zu lesen.

Anschließend wollten wir ins Hofbraeuhaus Abendessen gehen, aber die Leute dort sind eine Frechheit. So unhoefliche Kellner hab ich ueberhaupt noch nie erlebt. Einige Plaetze waren fuer 19:00 reserviert, und es war erst 17:00, bis dahin waeren wir also laengst weg gewesen, aber sie haben uns nur weggescheucht, zu einem anderen Tisch, dort haben wir uns hingesetzt, hat uns ein anderer Kellner wieder erklaert das geht nicht, uns weiter geschickt, dann sind wir doof im Raum gestanden und jeder Kellner hat uns einfach ignoriert oder abgewimmelt, bis uns irgendeiner zu anderen Leuten in die hinterste Ecke gesetzt hat und dann auch noch ganz stolz meinte: „Na, seht ihr wie nett ich bin!“. Uns ist’s vergangen und wir sind zu den 5 Hoefen in’s Vapiano gegangen.

Zurueck in der Pension haben wir ne Stunde Fluch der Karibik geschaut, ehe wir zu Danielle und Eli ins Hotel in die Lounge gegangen sind, wo wir bis spaet in die Nacht Kartenspiele gespielt haben.

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2.1.2016

Diesen Tag verbrachten Dominik und ich alleine in Muenchen. Morgens fuhren wir zum Schloss Nymphenburg, welches von außen wunderschoen anzusehen war, aber wir letztendlich doch nicht in den Park gingen, da wir bestimmt mindestens zwei Stunden anstehen haetten muessen. Allerdings lasen wir ueber die Geschichte des Schlosses, und zusammenfassend kann ich sagen: Lusthaeuser, Lustgaerten, Lustbootsfahrten am Lustsee, und lustvolle Taenze und Shows der Adeligen waren dort Gang und Gebe. Lust also ganz groß geschrieben.

Unser naechstes Ziel war der Olympiapark, wo wir hofften, vom dortigen Aussichtsturm einen Ueberblick ueber die Stadt zu bekommen, zumal ich mir eigentlich jede Stadt von oben ansehen moechte, und erst dann entscheide, ob sie mir gefaellt oder nicht. Als wir dort ankamen, sahen wir aber nicht einmal die Spitze des Turms, und ganz Olympia war im Nebel versunken. Wir schlenderten also von Halle zu Halle, auf den Olympiaberg hinauf von wo wir einen guten Blick auf die Red Bull Crashed Ice Strecke hatten, und in die Schwimmhalle. Das war etwas surreal, dort schwammen Leute in der Halle, und Touristen gingen ein und aus um sich zu waermen und Fotos von den Tribuenen zu machen, einschließlich uns. Schwimmen in der Auslage also. Im Winter kann man den Berg hinunter rodeln, an warmen Tagen  im Olympiasee Rudern und den Park wirklich genießen, irgendwann moechte ich im Sommer dorthin. Wir kamen dann durch Zufall zum Olympiadorf von 1972, wo die Athleten damals wohnten, als der große Anschlag auf die israelische Olympiamanschaft passiert ist. Fuer mich persoenlich war das Dorf das große Highlight, und jeder der Graffiti und Wandmalereien aller Art liebt, und Muenchen als zu grau und duester befindet, ist dort richtig aufgehoben. Somit meine Top-Sehenswuerdigkeit-Empfehlung.

Wer’s nicht gern grau und duester hat:

TOP-Ziel: Olympiadorf 1927, Olympiapark, Muenchen

Das Olympische Dorf besteht aus einem großen Wohngebiet, und darin befinden sich kleine Bungalows, welche heute das Studentendorf bilden. Und um diese Bungalows geht es mir. Das Dorf wurde oft als graue Betonwueste kritisiert, doch sieht man genau hin, entdeckt man mehr Farben als im restlichen Muenchen. Die StudentInnen duerfen naemlich ihre Bungalows selbst gestalten: Sie duerfen die Mauern außen bemalen und jeder Bungalow hat Auslagen, wo sie allerlei Schnickschnack hinein geben: Flaschen, Quietschenten, Aliens, Schilder mit Spruechen, und und und. Es gibt unglaublich viel zu entdecken. Ich hab es geliebt durch jede einzelne Reihe zu schlendern, trotz eisiger Kaelte von -8°. Es gab so viele coole Wandmalereien: Disney, Simon’s Cat, Kletterer, Reiseziele, Beatles, Alice im Wunderland, die Simpsons, Aristocats, Roy Lichtenstein, Banksy, Pippi Langstrumpf, Der kleine Prinz, und und und… Es nahm kein Ende an Kreativitaet. Farbenfroh und aufregend!

Wir bekamen dann schon ziemlichen Hunger, fuhren uns nur noch kurz den Odeonsplatz und die Ludwig-Maximilians-Universitaet mit dem Siegestor an der Prunkstraße Muenchens ansehen und dann weiter zu unserer Straße, wo wir – da dort fast alle Restaurants geschlossen hatten – in ein Eck-Imbiss einkehrten. Da denkt man an fettige Speisen, schnelles und laetschertes Essen und unhoeflichen Service, aber von wegen. Der Imbiss hatte ganz neu aufgemacht, und die beiden waren wahnsinnig bemueht und noch sehr unsicher (entschuldigten sich fuer Wartezeiten, dass der Pizzateig nicht 15 sondern nur 5 Stunden gerastet hatte, obwohl die Pizza eh schon so lecker war) und und und. Ich aß Huehnerspieße mit Reis, die total knusprig und innen zart waren. Es war wirklich gut, und ich nahm mir noch Baklava mit, von denen er mir gleich eines dazu schenkte. So kann der Schein truegen!

Mein Knie schmerzte fuerchterlich vom vielen Gehen, weswegen wir zu Hause ein bisschen rasteten, ehe es weiter ging zum Koenigsplatz, den ich unbedingt bei Nacht sehen wollte. Ich steh total auf den antiken Baustil, und wenn dann noch alles beleuchtet ist in der Nacht, ist es absolut romantisch. Am liebsten waere ich unter den Saeulen gesessen und haette gelesen, die Idealvorstellung eines Leseplatzes, aber eben nicht im Winter. Von dort fuhren wir zum chinesischen Turm, den man leider Nachts nicht mehr betreten kann, aber es war trotzdem nett im Englischen Garten zu sein. Der Garten war ja nicht so spektakulaer, aber durch Zufall kamen wir bei einer Punschhuette vorbei, wo draußen Gondeln standen. In diese konnte man sich die Getraenke mit hineinnehmen und den Heizkoerper darin einschalten, das fand ich so eine tolle Idee, das mussten wir machen. Auch wenn’s nur Tee wurde statt Punsch. Den Abend schlossen wir mit Danielle und Eli im Shisha Lokal „NV Club“ ab, wo es wirklich nett war, aber die Luft war furchtbar schlecht. Wir spielten diverse Spielchen mit dem Rauch (Glaeser fuellen, Ringe machen, durch Strohhalme pusten, einen Wasserfall machen, usw.) und gingen dann wieder ins Appartment, um zu packen, zu duschen und muede und fix und fertig ins Bett zu fallen.

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3.1.2016

Unseren letzten Tag in Muenchen verbrachten wir in der Bavaria Filmstadt, wo wir gleich an der ersten Fuehrung durch die Studios teilnahmen, durch Boote krochen, mit Fuchur flogen, Filme drehten, und die warmen Raeumlichkeiten herbeisehnten. Danach ging’s ins Bullyversum, wie der Name schon sagt, haben wir dort alles ueber Michael Bully Herbig und seine Filme erfahren, mit Lasern die Welt gerettet und bei einem Mitmachfilm zu Traumschiff Surprise zugesehen. Es war auf alle Faelle sehr interessant, und gab viele Infos darueber, dass im Film eigentlich eh fast gar nichts ist, wie es scheint. Das Highlight war jedenfalls ganz am Anfang der 4D Film Lissi und die wilde Kaiserfahrt, und ich gehoerte leider zu den wenigen doofen Raritaeten im Filmsaal, die sich staendig duckten wenn’s unter Baumstaemmen hindurch ging, oder ihre Haende vor’s Gesicht schlugen, wenn irgendwas in 3D in meine Richtung flog. Oops. Hat’s aber natuerlich gleich spannender gemacht.

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