Urlaub in der Heimat – Austrientatious!

Lange hat’s gedauert, aber letztendlich konnte ich doch noch Zeit fuer diesen Blog finden – wenn auch eher um eine unmenschliche Uhrzeit.
Diesmal konnte ich meinem stetigen Fernweh entgegen wirken und einmal Urlaub in meiner eigenen Stadt machen. Rob kam mich aus Wales besuchen, und Wien aus den Augen einer Touristin zu sehen, hat mich einiges gelehrt. Bis dahin hatte ich immer abgeraten, Wien zu besuchen, da ich es persoenlich als kalt, grau und nicht besonders sehenswert befand. Von den meisten Menschen war ich genervt, der Stress, der in Staedten permanent praesent ist hat mir nicht gut getan, und wenn ich schon selbst immer nur weg wollte, warum sollte dann jemand anderer her wollen? Aber als TouristIn ist es dann ja doch ganz anders…

25. Maerz

Am 25.03. holte ich Rob um 1730 vom Flughafen ab, setzte ihn lediglich bei mir daheim ab und fuhr selbst ins Theater. Es war mir nicht angenehm, ihn an seinem ersten Abend alleine zu lassen, aber wie es sich herausstellte, kam er ganz gut zurecht. Die gesamten 3 Stunden, die ich in Mary Poppins saß, verbrachte er damit spazieren zu gehen. Ohne sich zu verlaufen! Er behielt immer die Votivkirche im Auge und als ich am Abend ziemlich muede wieder heimkam, erzaehlte er mir noch lange aufgeregt, was er alles gesehen haette. Die Sightseeingplaene fuer die naechsten Tage waren somit erledigt, hatte er doch wirklich schon alles gesehen. Besonders begeistert war er von den Straßenlichtern, die an Draehten ueber unseren Koepfen hingen, genauso wie die Ampeln. Er erwaehnte diese mehrmals, in GB ist das wohl nicht so. Auch die bunten Haeuser (und ich dachte Wien erschiene grau…) faszinierten ihn, und dass Wien offenbar eine sichere Stadt sei, denn: Wir haben teure Taschen in Vitrinen auf dem Gehsteig und Zigarettenautomaten (die in Leeds innerhalb von Sekunden aufgebrochen waeren). Es war sehr erfrischend, Wien aus seinen Augen zu sehen, denn ihm fielen all die Kleinigkeiten auf, die wir schon als selbstverstaendlich betrachten.

26. Maerz

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Unseren ersten Tag verbrachten wir – nach einem kurzen Rundgang durch den Burggarten und meinem zweistuendigen Besuch eines Pflichtseminares – im Parndorf Designer Outlet um die Outdoor Geschaefte zu durchwuehlen. Im Endeffekt fand ich mehr als er – seitdem ich die Outdoor Welt entdeckt habe, kann ich endlich auch etwas mit dem Begriff „Shoppen“ anfangen, was ja sonst eher eine laestige Notwendigkeit fuer mich ist. Selbst Schuhe sind jetzt einigermaßen interessant, sofern es sich um Kletter-, Sport,- oder Wanderschuhe handelt. Um alles andere wird ein großer Bogen gemacht. Rob gefiel’s super, und wir rundeten den Tag mit einem superguten Abendessen im TGI Friday’s ab – Pflichtprogramm fuer alle TouristInnen – der Amerikanisch-Wienerischen Kultur wegen. 😉 Eli, Juli, und Danielle leisteten uns Gesellschaft und bemuehten sich tunlichst, moeglichst nicht in die Verlegenheit zu kommen, mit Rob’s lustigem Yorkshire Dialect konfrontiert zu werden. Ich befand mich also in der Position der Dolmetscherin.

27. Maerz

Am 27. stand das Naturhistorische Museum am Programm, mein kleines Highlight. Dort renne ich meist von einer Vitrine zur naechsten und kann mich gar nicht entscheiden, welches Reptil, oder Huhn, oder gar welche Ente ich am meisten mag – oder vielleicht doch den Nasenbaer? Ein wenig traurig war es zu sehen, wie schnell und wie viele Tiere aussterben… Rob erzaehlte mir auch von einer Krankheit, die zur Zeit alle Froesche befaellt und gegen die es kein Gegenmittel gibt, weswegen Forscher meinen, unsere Enkelkinder werden gar keine Froesche mehr kennen. Das macht mich schon sehr traurig…

28. Maerz

Am 28. ging es zur den Myrafaellen, dem Kahlenberg um die Aussicht ueber Wien zu bewundern, und zum Himmel – um dort den Baumkreis anzusehen (was ewig lange dauert, da ich jede einzelne Infotafel erstmal auf Englisch uebersetzen musste). Natuerlich lauter Highlights fuer einen Forestry Studenten, und ich habe auch viel ueber Baeume und Waelder gelernt. Ich glaube aber, am meisten hat ihm der anschließende Besuch des Abenteuerspielplatzes am Himmel gefallen. Ich fand den ja etwas inappropriate fuer Kids – die ganzen Balken, Staemme, Seile, usw. sind ziemlich hoch oben gespannt, aber dafuer wurde man halt ausnahmsweise weniger komisch angesehen, wenn man lachend ueberall herumturnte und das innere Kind rausließ. Spannend fuer ihn war heute, dass in einer Tankstelle im Nirgendwo (fraglich, ob da irgendetwas oeffentlich hinfaehrt) eine Bar war, an der Maenner sich betranken. Lustig war, dass ich eine Postkarte kaufte – auf Deutsch – waehrend ich gleichzeitig mit ihm Englisch sprach, und ich gelobt wurde mit: „Your German is really good!“. – Well, thank you! Verwirrend war, als ich mit Rob Deutsch sprach, und mit der Kellnerin in der Myrastubn Englisch und mich beide nur noch auslachten. Dieses ewige Switchen kann ganz schoen confusing sein 😉

29. Maerz

Am 29. ging’s ab nach Schoenbrunn, erstmal zum Tiergarten, denn ganz Schoenbrunn ist sowieso nicht in einem Tag machbar. Als ich ihn fragte welches Tier sein Highlight war, meinte er: Das Eichhoernchen. Dieses Eichhoernchen hatten wir aber schon VOR dem Eingang gesehen; da haetten wir uns fast Schoenbrunn noch sparen koennen. Den ganzen Tag sprach er dann von nichts anderem mehr. Ein rotes Eichhoernchen, so nah bei ihm, das hatte er noch nie erlebt. Großbritannien hat leider eine Plage an grauen Eichhoernchen, welche die roten verdraengen, und somit ist jedes rote Tierchen ein kleines Weltwunder an sich. Anschließend beschlossen wir noch spontan, zum Donauturm hinauf zu fahren. Dort war aber nicht der Turm an sich das, was Rob zur groeßten Begeisterung brachte, sondern die Toiletten. Denn waehrend er sein Geschaeft erledigte, hatte er die beste Aussicht ueber ganz Wien – direkt beim Fenster raus. Davon machte er sogar ein Foto: Pissoirs im Vordergrund, Wien im Hintergrund, dass er dann allen stolz zeigte, die es sehen, oder nicht sehen wollten.

30. Maerz

Der 30. war unserer Architektur gewidmet: Vom Hundertwasser Haus zum Schloss Belvedere und den Gärten (wo es einen riesen Garten voller verschiedenster Baumarten gab, wer Rob kennt, kann sich vorstellen, wie lange wir dort verbracht haben… und wie viele Baeume wir umarmt haben :P), zur Karlskirche und zum Naschmarkt, wo wir uns mit reichlich griechischem Essen fuer den Abend eindeckten. Essen stand sowieso groß geschrieben im Programm, wir waren sehr kulinarisch unterwegs, und haben auch sehr viel zu Hause gekocht, typisch Oesterreichisch, typisch Britisch, und soweiter.

31. Maerz

Am 31. stand Teil 2 der Vienna Sightseeing Tour am Programm; zu Mittag die Ankeruhr, die dann Musik spielt und alle Figuren durchlaufen laesst, anschließend das Katzen Cafe (Cafe Neko), in dem 5 Katzen herumspazierten und ich einen absolut graesslichen Reistee trank (und Rob einen umso himmlischeren Apfel-Zimt-Tee, wir mischten dann beide zusammen und gut war’s), dann zur Hofburg und zuletzt ins Schmetterlings-Haus. Irgendwann dazwischen waren wir noch beim Stephansdom, da ich unbedingt in die Katakomben wollte. Ich liebe die Katakomben, ich hab die Tour schon einige Male gemacht, finde es aber jedes Mal aufs Neue faszinierend und spannend, was sich unter unseren Fuessen in der Innenstadt befindet… Vom vielen Gehen in den letzten Tagen waren wir schon ziemlich erschoepft, weswegen wir dann nicht mehr wirklich Lust hatten und heim gingen. Optional waere noch das Juedische Museum interessant, sollte irgendjemand mal Wien besichtigen wollen.

1. April

Puenktlich am 01.04. begann das Aprilwetter. Ausgerechnet heute fielen wir auf den truegerischen Sonnenschein herein und fuhren nach Schoenbrunn, um dort ins Labyrinth und zur Gloriette zu gehen. Es war furchtbar kalt, nass, und dazwischen wieder schoen und sonnig, einfach verwirrend fuer den Koerper. Aber trotzdem ein echt cooler Tag. Vor allem fuer Rob, denn diesmal sah er mindestens 15 rote Eichhoernchen und zwei davon kamen bis vor zu seiner Hand, um eine kleine Nuss zu stibitzen. Im Labyrinth hatten wir wieder unseren typisch kindischen Spaß, aber das muss sowieso immer sein. Anschließend ueberlegten wir ins Schloss zu gehen, bei der langen Schlange verging’s uns aber wieder. Also hier als Ratschlag, wenn irgendwie moeglich, Karten vorher organisieren, oder WIRKLICH frueh und unter der Woche kommen. Wir gingen stattdessen zum Ostermarkt und blieben bei einem Likoer-Stand haengen. Ich dachte eigentlich immer, dass ich Likoer nicht mag, aber dieser war goettlich. Wir kosteten einen nach dem anderen, schließlich kaufte Rob einen Nusslikoer und ich einen Kuerbiskernlikoer (der gleich Abends mit Vanille Eis serviert wurde). Nachdem ich aber so viel Likoer gekostet hatte, verbrachten wir dann doch noch recht lange in Schoenbrunn, damit ich ruhigen Gewissens wieder in mein Auto einsteigen konnte.

2. April

Am 02.04. stand das Haus des Meeres am Programm, welches mir sehr am Herzen liegt, wegen all den Reptilien. Ich verliebte mich dort auch sofort in einen Papua-Waran. Der lag naemlich erst teilnahmslos herum und ignorierte alle an die Scheibe tapsenden Kinder. Als ich mich hinstellte, sah er mich aufeinmal blitzschnell an und kam ganz nah nach vorne. Jaja – das ist es – Liebe auf den ersten Blick, nun hab ich es erlebt! Ich wollte gar nicht mehr weg, haette auch ein Zelt dort aufgeschlagen. Aber es warteten ja auch noch die Affen auf mich, und auch mit denen verstand ich mich bestens. Einer kam ueberhaupt zu mir und wollte mir die Kamera wegnehmen. Wir haben also ein gemeinsames Hobby, der Affe und ich. Er spielte ein bisschen mit dem Band und dann zog er auf einmal daran. Ich schaute boese, er schaute verwirrt, ich schaute nochmal boese, er lief davon. Ich versteh ja Spaß, aber bei der Kamera ist Schluss mit lustig! Von oben vom Haus des Meeres hat man uebrigens eine tolle Aussicht!

3. April / 4. April

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Am 03. hat Rob nur gelernt und ich war in Hip Hop. Abends gingen wir in den Praterdome, wo er ein bisschen uebertrieb, und somit am 04. am Morgen dementsprechend fertig war. Genaugenommen: Ihm war sauschlecht. Und was stand heute am Programm? Time Travel Vienna – 5D Kino, mit sich bewegenden Stuehlen und wilden „Fahrten“ durch die Zeit. Da wurde auch mir uebel, aber Rob war wirklich ganz blass. Lustig war’s dann, als wir uns den Donauwalzer anhoerten, da saß man naemlich auf einer sich drehenden Plattform..

Dennoch, Time Travel ist ein Muss fuer alle BesucherInnen! Es ist eine gute historische und kulturelle Einfuehrung und sie haben sich durchaus einiges ueberlegt. Ich weiß, es wird auch sehr stark kritisiert, aber ich persoenlich fand es einfach spannend und echt super! Ich war vom Fortgehen so muede, dass ich daraufhin direkt heim ging um zu schlafen, Rob sah sich noch das Roemermuseum an. Ich stellte mir den Wecker auf 18:00, da wir um 19:00 einen Tisch beim Heurigen reserviert hatten. Irgendwann klopfte Rob, der sich offenbar nach dem Museum auch hingelegt hatte, an meine Zimmertuer an und meinte: „Hey… Julie, I’m sorry to wake you up. But it’s half seven.“ (was im Deutschen so viel wie halbacht ist). Oooops! Wir haben beide den Heurigen verschlafen, ich anscheinend sogar den Wecker im Schlaf ausgestellt. Also gingen wir nur runter ins Restaurant, wo Rob sein erstes Wiener Schnitzel konsumierte.

5. April

Am 05., Rob’s allerletztem Tag in Wien, fuhren wir mit dem City Bike (auch so etwas Tolles fuer alle, die Wien sehen wollen, aber die oeffentlichen Verkehrsmitteln eher nicht unbedingt von innen betrachten muessen – es ist gratis, lediglich ein Euro zur Voranmeldung! Danach kann man eine Stunde lang gratis fahren, es 15 Minuten abstellen, und wieder gratis fahren, usw. Oder aber einen Euro pro weitere Stunde zahlen) zum Wasserpark um Enten und Schwaene zu fuettern und anschließend zum Kahlenberg, wo wir uns mit Juli, Eli und Danielle im Klettergarten trafen.

Alles in allem empfehle ich also als Pflichtprogramm fuer Wien-BesucherInnen:

  • Schoenbrunn
  • Time-Travel-Vienna
  • Himmel Baumkreis (und Spielplatz)
  • Donauturm
  • Schloss Belvedere
  • Naschmarkt
  • Katakomben

Und natuerlich alles andere aufgezaehlte auch, aber das waren halt wirklich so die Dinge, die unbedingt gesehen werden sollten.

Ich bin unendlich froh, dass Rob mich besucht hat und ich Wien aus seinen Augen erleben durfte. Ich weiß es jetzt so viel mehr zu schaetzen, dass ich in dieser Stadt lebe. Wenn man die richtigen Orte besucht (und nicht immer nur taeglich den Guertel entlang, oder in der allseits beliebten U6 herum faehrt ;-)), dann ist Wien gruen, farbenfroh, freundlich und wirklich architektonisch wunderschoen. Fotomotive gibt’s genug – und kulturell ist Wien ja sowieso ganz oben mit dabei. Eine Reise-Empfehlung kann ich also durchaus geben.

>> Wien ist – um es abschließend mit Rob’s Worten zu sagen – Austrientatious: Oesterreichisch und prunkvoll. <<

2 Gedanken zu “Urlaub in der Heimat – Austrientatious!

  1. A very interesting piece, although I think perhaps it loses some of it’s magic when put through the torture of Google translate. Also what do you mean ‚funny Yorkshire dialect‘?

    • Well, it is funny, isn’t it? Just remember how you pronounce Brighton, race, place, butter,… It is lovely too, so don’t worry.
      I’ve just red Google’s translations and I couldn’t stop laughing tears. It adds extra spice to it… 😉

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