Eine unsanfte Landung.

Willkommen im neuen Jahr, willkommen in der Realitaet. Seit gestern bin ich wieder zurueck in Oesterreich.

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Silvester war lustig, Johannes, Albert, Adolfo und ich sind gemeinsam am Abend zu Rob gefahren um dort zusammen bleizugießen, Dinner for One anzusehen und Manner Biskotten zu essen – traditioneller oesterreichischer New Year’s Eve eben! Nach einer ordentlichen Partie Phase 10 gingen wir dann zu Fuß von Llangoed nach Beaumaris um um Mitternacht das Feuerwerk zu sehen. Ich hatte hohe Erwartungen, da das Feuerwerk am 8. November ja derart fantastisch und lange war, dass ich dachte, sie machen sich fuer Silvester noch mehr Muehen. Falsch gedacht! Es war schoen, aber SEHR kurz. Im Nu war es wieder vorbei und auf einmal befanden wir uns in 2015 – mit Schnapsnase, glasigen Augen und wankenden Schritten (mit Ausnahme von Johannes und mir). Der nahegelegene Pub gab uns kurzfristig Waerme, aus Platzgruenden mussten wir aber draußen sitzen bleiben. Und dann auf einmal – ich war nur kurz weg um ein Taxi zu rufen – saßen zwei Frauen bei uns am Tisch und jeder sprach irgendwie in Walisisch, Spanisch oder zu Rob’s Entsetzen Deutsch (Er wurde gefragt, ob er Walisisch spreche und in seinem Schock antwortete er panisch „NEIN!“ – dieses Sprachtalent!) und machte sich irgendwelche Wild Camping – Herumfahr Abenteuer aus. Als dann unsere Zehen schon Eiszapfen geworden waren und jeder gewaltig nach Schneemann aussah, kam endlich unser Taxi. Dass Albert ein ganzes Glas voll Vodka mit ins Taxi nahm, stoerte den Fahrer nicht, und als es auf einmal Pling machte, weil Albert eingeschlafen war, das Glas fallen gelassen hat und die Eiswuerfeln herausgepurzelt sind, hatte ich zum Glueck gerade eine angeregte Unterhaltung mit dem Fahrer und es ging ungesehen an ihm vorbei… Und ich hab davor noch gesagt, er soll es lieber mir geben. Diese Saeufer!

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Die naechsten Tage sind schnell vergangen, ich hab an meiner Seminararbeit gearbeitet, wir waren mit Rob essen, ein bisschen klettern in Indy. Am 03. Jaenner haben wir uns dann nach Betws-Y-Coed mit Rob begeben, fuer unsere letzte Wanderung, bevor Johannes wieder nach Hause musste. Betws-Y-Coed ist definitiv einer meiner liebsten Ortschaften weltweit, aber leben koennte ich dort nicht: Ich waere sofort pleite. Ein Outdoor Shop reiht sich an den naechsten, Angebote wo man nur hinschaut, aber auch Angebote koennen sich zu einem halben Vermoegen zusammen haeufen. Bei dem Deuter Wanderrucksack konnte ich dann aber doch nicht mehr wegsehen, und ich brauch ja sowieso einen….! Von dort ging es durch ein nettes Tal auf Huegel hinauf. Eine tolle Wanderung, aber der Boden war komplett durchnaesst und gatschig, und meine Schuhe stellten sich als absolut nicht wasserfest heraus. Was solls, man kann ja auch gehen, wenn man einen Teich im Schuh hat.  Jedenfalls haben wir uns dann noch supernett verlaufen, und konnten querfeldein wandern, was so seinen eigenen Reiz hatte. Was allerdings absolut schrecklich war: Ich hatte meine Speicherkarte zu Hause vergessen. Ich war den Traenen nahe. Man hatte dort die schoenste Aussicht auf Snowdonia ueberhaupt, es war absolut picturesque! Deswegen war ich dann gar nicht so traurig, als der Nebel hereinzog und uns die Aussicht ein wenig vermasselte…. Und ja ich weiß: Man kann die Welt auch mit den Augen betrachten! Das habe ich auch gemacht, aber wie soll ich’s euch jetzt zeigen, die Erlebnisse mit euch teilen…? Ihr muesst wohl selbst dorthin, einen kleinen Vorgeschmack gibt’s mit den Handyfotos oberhalb des Absatzes… Und hier die Wanderroute: http://www.eryri-npa.gov.uk/visiting/walking/Hard-Leisure-Walks/crimpiau,-capel-curig

Am 04. musste Johannes packen (und der Großteil war vermutlich von mir, sein Koffer war 24kg schwer und sein Rucksack auch komplett voll…) und am Abend sind wir rein nach Manchester gefahren, wo ich ihn noch nett ausgefuehrt habe, in mein superleckeres Lieblings-Pie-Lokal, das Geli und ich vor vielen Jahren Dank ihrer Schwester Conny entdeckt hatten (das mag euch als eine unnoetige Information erscheinen, aber ich hatte das Gefuehl, ich breche sonst ein Copyright :P). Solltet ihr mal nach Manchester gehen: Das Old Wallington Inn ist sehr zu empfehlen! Und auch das Ibis Hotel. Ibis Hotel’s sind generell einfach super, preislich und ausstattungsmaessig. Und Johannes und ich haben saubere Dusche und WC auch sehr genossen…. Somit ging fuer ihn der letzte Tag auf der Insel zu Ende und am 05. in der Frueh ging’s wieder ab zum Flughafen und ich fuhr heim nach Bangor.

Die darauffolgenden Wochen waren fast schon eintoenig, beginnend mit dem 05. schlossen Rob und ich uns Tag fuer Tag, von Frueh bis in der Nacht, mit viel Futter und Kaffee in der Bibliothek ein. (http://www.studentbeans.com/mag/en/campus/14-people-you-ll-find-in-the-library-at-night) Drei Seminararbeiten wollten geschrieben werden, und ich musste meine eigenen Daten sammeln. Die erste war ueber den Gebrauch von Schimpfwoertern in kommunikativen Kontexten (Es ist irgendwie cool, in einer Arbeit fuer die Uni, regelmaessig das Wort „Fuck“ von sich geben zu duerfen…), die zweite ueber die Intelligenz von Bilinguals (zweisprachig aufgewachsenen Kindern) und die dritte ueber den metaphorischen Gebrauch von „Space and Time“ (so etwas wie „Christmas is fast approaching“, obwohl sich Christmas mal ueberhaupt nicht bewegt). Die letztere Arbeit fing ich einen Tag vor dem Abgabe Termin an – und ja, ich musste auch noch lesen dafuer – da ich fuer die anderen schon so lange gebraucht hatte. Und ich schrieb sie: Bis 05:30 in der Frueh, ab 08:00 wieder, und puenktlich um 10:00 landete sie im Linguistik Department. Danach war ich frei: Und das war letzte Woche Donnerstag… (22.). Und man sollte ja meinen, dass man dann die letzten 5 Tage in seiner neuen Heimat supertoll genießen kann, aber mit einer Sehnenscheidenentzuendung UND einer Blasenentzuendung war das alles andere als einfach, aber dennoch machbar. Jetzt habe ich zumindest die Hygienestandards und Qualitaet (die meiner Meinung nach nicht hoch ist) des Bangor Hospitals auch noch kennengelernt. Ich hatte also ein tolles touristisches Gesamtpaket! Außerdem wurde ich auch fast von einem umfliegenden Baum erschlagen, aber keine Sorge, Rob meinte er koenne mich zur Not retten und mir sagen, welcher Baum es waere und ob er irgendwelche Krankheiten haette. Ein wahrer Held! (in Wahrheit flog der Baum erst eine halbe Stunde nachdem ich dort gegangen bin um, aber man kann ja mal dramatisch sein)

Aber nun zurueck zu der „fast schon“ eintoenigen Zeit, denn ein paar Vergnuegungen hatte ich ja. Die Bibliothek wechselte sich naemlich schon ab und zu mit Klettern ab und ich habe endlich das Bouldern fuer mich entdeckt. War ich zuerst ausschließlich begeistert vom Top-Ropen und Leaden, fand ich auf einmal Spaß an den Boulderwaenden, aber die Angst zu Fallen habe ich immer noch. Allerdings ist es einfach so viel effektiver, wenn man sich in Kraft und Technik verbessern will. Teilweise ist das Bouldern wie ein Raetsel, wie bewege ich mich wo, in welchen Winkel setze ich meinen Fuß an die Wand / den Hold, in welche Richtung drehe ich mich,… damit ich gut hinauf komme. Am Seil beachtet man das teilweise nicht so ganz, wiegt sich in Sicherheit.

Des Weiteren gab’s noch ein paar nette Ausfluege:

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Am 15.01. gab ich eine Arbeit ab und wollte daher erst einmal ein bisschen raus, bevor ich mit der naechsten beginne. Rob, Jo und ich fuhren nach Betws-Y-Coed um dort zu essen und Tee zu trinken und anschließend im Ogwen Valley um den großen See herumzuwandern. Das Wetter war furchterregend, es ging ein gewaltiger Sturm und Jo und ich – wir sind Zwerge – wurden regelmaessig umgeblasen. Und DIESMAL ist es keine Uebertreibung. Aber irgendwie hat es darum noch mehr Spaß gemacht. Der Spaziergang war super nett und ich wuenschte ich haette nochmal hinkoennen, um bei schoeneren Wetter auch hinauf in die Huegel zu gehen.

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Am 22.01. ging es dann nach abgegebener Arbeit (und zweieinhalb Stunden Schlaf) zum dritten Mal zu den Aber Falls. Ich wollte Rob unbedingt den Weg durch den Wald zeigen, den ich zuvor mit Johannes gegangen war. Es war so friedlich, einfach nur dazusitzen, die Sonne zu genießen, die Voegel zwitschern zu hoeren und auf die Huegel zu blicken. Zu wissen, bis Maerz nichts mehr fuer die Uni tun zu muessen. In die Stille zu lauschen. Es war wie der erste Fruehlingstag!

Damit ging meine Zeit in Bangor schnell zu Ende, und es wurde Zeit, sich zu verabschieden. In den letzten drei Tagen habe ich mich vermutlich mit etwa 25 Leuten getroffen. Ich hab mich so willkommen und geliebt gefuehlt, es war unglaublich. Alle wollten tschuess sagen, alle waren sie so traurig, haben mich gebeten ja wieder zu kommen. Das war wirklich schoen. Ich kann gar nicht fassen, wieviel Glueck ich habe, so tolle Menschen kennengelernt zu haben. Den Rest hat es mir dann wohl gegeben, als Rob meinte, er haette in mir einen ‚lifelong friend‘ gefunden. Von jemanden der nicht wirklich emotional ist, und mich die meiste Zeit veraeppelt… Einfach schoen! Es war schwer alle gehen zu lassen. Dafuer hatte ich am Montag noch einen tollen Abschluss: Hannah feierte ihren Geburtstag, wir beide gingen mit Alex nach Beacon klettern (oder: uns im Trainingsraum vor Lachen nicht mehr einbekommen…) und als wir zurueck kamen gab’s Kuchen und selbstgemachte Burger mit weiteren ihrer Freunde. Ich kann mich nicht beklagen: Der Kuchen war mit einer Krawatte mit Quietschenten drauf dekoriert! (Aus How I Met Your Mother)…

Die Heimreise war muehsam. Nachdem ich bis halbzwei in der Frueh geputzt und gepackt hatte, musste ich um 04:15 schon wieder aufstehen. Ein Koffer zu 20kg, ein kleiner Trolley und ein Rucksack, ein Sackerl mit Sachen, die nirgendwo mehr reingepasst haben… und ich. Das Programm sah folgendermaßen aus: Zug, Zug, Bus, waaaaaaaarten, Flugzeug, warten, Flugzeug, Auto. 12 Stunden um nach Wien zu kommen. Zum Vergleich: Nach Manchester braucht man nur 3 1/2. Nach Brighton 5 1/2. Ja, ich habe am Gesaeß der Welt gelebt, aber es war ein schoenes Gesaeß. Der zweite Flug war schon grauenvoll. Im ersten Flugzeug habe ich den Fehler gemacht bei der Landung einzuschlafen, konnte daher nicht aktiv den Druck ausgleichen und hatte furchtbare Ohrenschmerzen. Ich brauch ja auch Kaugummis dazu. Jedenfalls, im zweiten Flugzeug, saß ich ganz hinten in der letzten Reihe und daher sozusagen neben den Stewardessen. Die eine war eine sehr fuersoergliche, SEHR bemutternde Stewardess. Mit ihrem quietschenden Deutschen Klischee-Akzent (und nein, mich stoert der deutsche Akzent nicht, aber ihrer war der einer Klischee-Modepuppe) fragte sie mich besorgt, ob sie mir nicht ein wenig vom Gepaeck, das ich bei meinen Fuessen gelagert hatte, abnehmen koenne und hatte es auch schon in den Haenden. Ich hatte ja so viel Handgepaeck (ich habe mich mit einer Schulklasse hineingeschmuggelt, damit sich keiner aufregt) und daher einfach nicht genug Platz. Als ich meinte, ich moechte das aber bei mir haben, zaehlte es nicht. Und dann startete das Flugzeug, alle waren angeschnallt und ich starrte verzweifelt hinauf zu meiner Tasche und verfluchte ihre Ueberfuersorglichkeit: Denn sie hatte mir auch meine Kaugummis entrissen! Die 45 Minuten Flugzeit konnte ich mir dann auch noch ihre Konversationen ueber Haar Styling und „niedlische Fleischbaellschen“ und „gute Ideen“ die sie so hatte anhoeren. Das war dann aber doch ein wenig unterhaltsam. Komisch, das Leben in der Luft. Da bist du in Muenchen, Zagreb und Wien an einem Tag, fliegst vielleicht noch einen Flug wo anders hin und unterhaeltst dich aber, was es daheim in „Muenschen“ fuer „Fleischbaellschen“ zum Abendessen gibt. Was die Technik alles moeglich macht… Die Landung in Wien, und somit in der Realitaet, war aber durchaus unsanft. Der Mann neben mir verschuettete gleich einmal seinen Kaffe ueber den Tisch und sein Handy als das ganze Flugzeug beschloss seine Figur auf einer imaginaeren Vibrationsplatte zu trainieren. Ich hielt mich nur fest und genoss die erschrockenen Gesichter anderer Passagiere. Nur mit der Ruhe, ich werd 98, wir stuerzen nicht ab…!

In Wien angekommen, holte mich Johannes ab. Fuer die folgenden 30 Minuten regte ich mich ueber die Bloedheit des Navis auf, uns ueber den ersten Bezirk nach Niederoesterreich zu schicken, und merkte erst warum, als wir schon vorm TGI standen: Johannes hatte meine FreundInnen eingeladen und einen Tisch reserviert. Was fuer eine nette Ueberraschung! Fix und fertig, aber froh alle zu sehen, gab’s dann Burger und Kuchen. Dass ich wieder hier bin ist mir noch nicht so klar, und alles fuehlt sich an, wie das Aufwachen nach einem langen, wunderschoenen Traum. Mit Wehmut, aber auch ausgeruht und energiegeladen fuer den naechsten Tag, die naechsten Monate. Und wer weiß, vielleicht bin ich ja bald wieder auf Reisen…. Danke fuer’s Zulesen und bis bald!

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