Bouncing off Conwy-Calories

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Wie immer ist die Woche im Flug vergangen. Es fuehlt sich an, als bestuende jede Woche aus nur einem einzigen Tag. Ich kann kaum glauben, dass ich schon mehr als einen Monat hier bin. Und nur noch drei Monate habe. Die letzte Woche war eine ganz besondere, mit vielen erinnerungswuerdigen Ereignissen.

Mein erstes Highlight war Donnerstags. Am Nachmittag holte mich Jo, meine zweite Kletterpartnerin (neben Kamilla), mit ihrem Smart ab und wir fuhren zusammen zur Indy Halle. Wir hatten ganze 4 1/4 Stunden im Kletterparadies! Es war einfach fantastisch. Nach 2 Stunden waren wir schon fix und fertig, aber wir gaben nicht auf. Dieses Hobby kommt mir langsam teuer, und ich sollte schleunigst zusehen, mir mein eigenes Basic-Equipment zuzulegen! Die Ausleihgebuehren haeufen sich zu stolzen Preisen zusammen. Aber es macht einfach wahnsinnig viel Spaß und suechtig. Obwohl wir nach den 4 Stunden vollkommen erschoepft waren, waeren wir, haette die Zeit es erlaubt, vermutlich noch laenger geblieben. Vor allem, weil Vasco uns kurz vor Ende noch einen Crash-Kurs im Lead-Climbing gegeben hat. In der Kletterhalle hat man verschiedene Moeglichkeiten, entweder freies Bouldern (mit weichen Matten und keinem Seil) oder die Kletterwaende, wo schon ein Seil eingespannt ist und man sich nur gegenseitig sichern muss, oder die Waende, wo lediglich hier und da ein Karabiner haengt in den man sich selbststaendig mit dem Seil einhaengt, sobald man ihn erreicht (waehrend man natuerlich, wie immer, von einer zweiten Person gesichert wird). Das ist der anspruchsvollere Part und in diese Technik wurden Jo und ich eben innerhalb einer halben Stunde eingefuehrt, um am Dienstag dann weiterzumachen. Es war ein ganz neues Erlebnis, aber genauso genial. Und wenn wir dann langsam sicherer darin werden, haben wir natuerlich auch mehr Moeglichkeiten, da uns somit mehr Waende zur Verfuegung stehen. Außerdem habe ich auch meine – nicht gerade positiven – Erfahrungen mit dem Auto-Belay vertiefen koennen. Das ist ein Seil dass automatisch sichert, aehnlich wie ein Gurt im Auto. Ich habe am Dienstag erste Erfahrungen damit machen duerfen. Die Waende im Beacon (eine andere Kletterhalle) sind bei Weitem hoeher als die in Indy. Ich habe mich also in den Auto-Belay geklippt und bin ganz hinauf geklettert, intelligenterweise ohne vorher zu probieren, wie es sich anfuehlt von diesem Ding heruntergelassen zu werden. In der Theorie: Du stoesst dich von der Wand ab. In der Praxis: Julie klammert sich ganz oben in der Wand an einen Griff und ueberlegt was sie nun tut. Alle anderen rufen von unten tolle Ratschlaege hinauf: „Lass einfach los! Das wird schon.“. Ich habe dann versucht mich sanft zurueckzulehnen, in der Hoffnung, einen Widerstand zu fuehlen, wie es halt mit einem Seil und einer zweiten Person waere. No way. Kein Widerstand. Mittlerweile riefen mir dann Leute von anderen Waenden genauso hilfreiche Ratschlaege zu. Nach 2 Minuten Herzrasen verließ ich mich lieber auf mich selbst und kletterte eigenstaendig hinunter. Versuchte dann in Bodennaehe wegzuspringen: Dieses Ding gibt einem im ersten Moment das Gefuehl, zu fallen. Kein Wunder dass ich da oben die Panik bekommen habe. Daraufhin hab ich alle meine Lieben hinaufgeschickt, die so tolle Ratschlaege zugerufen haben, und siehe da: NIEMAND hat sich getraut zu springen. Alle haben ewig gezoegert. Ha! Es IST gruselig. Vasco hat mich daraufhin noch dreimal hinaufgeschickt, damit ich meinen „inner pig dog“ ueberwinde, und das Lead Climbing am Donnerstag musste ich auch mit dem Auto-Belay ueben. Wir zwei, das Ding und ich, wir werden keine guten Freunde! Ich komme jedesmal mit Herzrasen unten an. Ein wunderbares Beispiel dafuer, wie sozial gesteuert das menschliche Hirn eigentlich ist. Vertraut einem anderen, nicht unendlich kraeftigen Menschen, der dein Leben (das Seil) in den Haenden hat mehr, als der Kraft einer Maschine.

Freitag war wieder Pole-Dance und diese Woche lief es verhaeltnismaessig wahnsinnig gut. Ich habe sehr viele neue Moves gelernt und auch tatsaechlich zustande gebracht. Die vier Stunden Klettern vom Vortag bekam ich aber zu spueren: Nach Pole Dance hatte ich intensive krampfartige Schmerzen in den Unterarmen und das Gefuehl, dass sie jeden Moment abfallen wuerden. Wenn ich zurueck komme, sehe ich wahrscheinlich aus wie Popeye nach einer XXL-Portion Spinat.
Jedes Jahr am 24.10. findet die Menai Bridge Fair statt. Ich hatte auf Tradition, Kultur, nette Musik und Feier gehofft, aber als Kasia und ich dort ankommen, erwartete mich lediglich ein typischer Kirtag mit allerlei ungesundem Fraß und bunten Lichtern von den verschiedenen Attraktionen. Ich ueberredete Kasia zur einer Runde Tagada, aber danach fluechteten wir vor den Menschenmengen und setzten uns hinunter zum Ufer der Menai Strait mit tollem Blick auf die Bruecke bei Nacht… Um festzustellen, dass ich immer noch nicht mit Nachtfotografie klarkomme. Es war insgesamt ein angenehmer und netter Abend.

Samstag war dann das große Fressen angesagt. Um 09:30 traf ich mich mit Kamilla und Anne, die kennt ihr ja schon, und mit Rob, Jacob, Nina und Daniel – weiteren Bekannten, um zum Conwy Food Festival zu fahren. Dieses war grandios! Egal wo man hinsah, ueberall gab es etwas zu kosten. Schokolade, Kaese, Wurst, Marmelade, Essig, Tee, Wein, Meeresfruechte, Spiritousen, Nuesse, Oel, Pesto, Cremen (im Sinne von z.B. Vanillecreme) und und und. Es war einfach ein herrliches kulinarisches Erlebnis! Ich kaufte mir ein Sizilianisches Pesto, Lemon Curd (Zitronencreme also) und eine Vanille-Birnen Marmelade, letztere ist vor allem herrlich mit Milchreis. Wir machten auch eine kleine Bootstour im Hafen von Conwy, sahen eine Kochshow und trafen sogar auf einen freundlichen T-Rex der sehr gluecklich meiner Aufforderung ‚Bitte iss mich‘ nachkam… Außerdem fiel mir nach einer halben Ewigkeit auf, dass ich schon mal in Conwy gewesen war, naemlich vor einigen Jahren mit Geli und ihrer Schwester. Dort ist naemlich das kleinste Haus von Großbritannien, und im Schloss war ich auch. Am Nachmittag waren wir alle vollkommen erschoepft und mehr als satt. Da wir es leider nicht mehr schafften, das Schloss zu Oeffnungszeiten zu erreichen, fuhren wir zurueck nach Bangor und kehrten im Pub „Tap & Spile“ ein, um dort – schon wieder – zu essen, zu plaudern und ein bisschen Billard zu spielen (wir hatten allerdings unsere Meinungsverschiedenheiten bezueglich der Regeln…). Um 20:00 sollte in Conwy ein Feuerwerk sein und da wir hofften, dieses von Bangor aus sehen zu koennen, gingen wir zum Pier hinunter. Unsere Hoffnungen wurden enttaeuscht und aus diesem Grund hatten wir die Idee, unser eigenes Feuerwerk zu veranstalten. Somit kauften wir uns um 30 Pfund Feuerwerkskoerper und waren die naechsten zwei Stunden wunderbar beschaeftigt. Im Zuge dessen gelang mir auch ein tolles Foto fuer den naechsten Photosoc-Wettbewerb. Das seht ihr dann in zwei Wochen… 🙂

Sonntag war dann Kalorien-Abbau angesagt. Um 11:30 fuhren Kamilla, Anne und ich mit der Uni-Organisation „Campus Life“ nach Llechwedd zu den Slate Caverns (Schieferhoehlen). Dort gibt es einen unterirdischen Bereich in dem drei riesengroße Trampoline gespannt sind, die durch Netzrutschen und Netzrampen miteinander verbunden sind. Schaut euch UNBEDINGT Bilder auf Google an, es war grandios! Hier zwei Links dazu:

http://www.bouncebelow.net/
http://www.spiegel.de/reise/aktuell/bounce-below-groesstes-trampolin-unter-der-erde-in-hoehlen-von-wales-a-979197.html

Wir drei verwandelten uns von serioesen, studierenden Erwachsenen (ha, ha, ha) in kleine, wild herum huepfende, kreischende, kichernde Kinder, die untereinander wetteiferten, wer den lustigen Huepf- und Laufstil zustandebringt und in Pausen zwischendurch Tierlaute zum Besten gaben. Ja, es war ein Spaß!

Das perfekte Wochenende hatte nur einen einzigen Haken: Ich haette eigentlich die ganze Zeit an einer Praesentation ueber Zweisprachigkeit und inwiefern sie Intelligenz beeinflusst, arbeiten sollen. Hab ich aber nicht. Als ich also – wirklich erschoepft – um 19:00 zu Hause ankam, war ich so ueberhaupt nicht in Laune, irgendetwas zu tun. Aber da ich nur noch einen Tag Zeit dafuer hatte, setzte mich hin und siehe da: Innerhalb von zwei Stunden war alles erledigt und ich konnte in einen – aufgepasst – NEUNstuendigen, tiefen, nicht ein einziges Mal unterbrochenen Schlaf fallen – Premiere! Und als ich heute die Praesentation hielt, war nicht nur ich zufrieden, sondern auch der Professor. Was will man also mehr?

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