13.07.2014 – Day 10

 

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Heute Morgen wachte ich erst beim Wecker-Laeuten wieder auf. Das ist mir bisher noch nie passiert. Ich war ausgeschlafen und fuehlte mich gut. Ich konnte mich nur noch erinnern, dass ich mich zuletzt ueber einen schnarchenden Mann vom Campingplatz beschwert hatte und dann war ich eigentlich weg. Aber laut Geli habe ich mich noch in den Schlafsack gekuschelt und gemeint: „Es ist sooooo kuschelig“ und dann Gute Nacht gesagt. Ich erinnere mich daran gar nicht, also rede ich offenbar schon im Schlaf und fuehle mich beim Zelten bereits wohl. Wenn ich heimkomme, muss ich wohl in meinem Zimmer ein Zelt aufstellen.

Wir fruehstueckten gemuetlich und fuhren dann los Richtung Cong. Die Stadt ist bekannt dafuer, dass dort ein großer Teil des Hollywood-Filmes „The Quiet Man“ gedreht wurde. Allerdings auch dafuer, dass dort alles so „typisch Irisch“ sei, und da es auf dem Weg durch das Connemara Gebirge lag, ließen wir uns das natuerlich nicht entgehen. Dort angekommen entdeckten wir auch gleich eine angepriesene „Ghost Walking-Tour“, eine gruselige Tour mit Geistergeschichten und Mythen der Stadt. Die wollten wir natuerlich unbedingt machen. Mir fiel aber doch die Kinnlade herunter, als sie tatsaechlich 14 Euro dafuer verlangten. Als dann auch noch unser Guide ohne irgendeiner Art von Grusel-Verkleidung, wie es normalerweise bei Ghost Touren so ueblich ist, auftauchte, waren wir ein wenig verwirrt. Als er uns fragte, ob wir bei seiner Tour mitmachten, fragten wir ihn, ob dies die Ghost Tour sei. Er war ein wenig verwirrt und meinte, er muesse nachfragen gehen, ob er das auch miteinbeziehen wuerde in seine Walking Tour. Als er zurueck kam ging es einfach ohne weitere Worte los. Er fing an ueber den Film, den wir leider nicht gesehen haben, zu sprechen. Das war ein wenig komisch, also fragten wir zur Sicherheit nochmal nach. Er meinte, dass das eigentlich die Walking Tour ist, die einem die Drehorte zeigt und ueber die Stadtgeschichte informiert. Aber dass er ja auch ein bisschen was Gruseliges erzaehlen kann und dass wir noch 10 Minuten zuhoeren sollen, bevor wir es uns ueberlegen. Wir drehten dennoch um, aber er ging uns dann hinterher und versuchte uns zu ueberreden und redete so lange auf uns ein, bis wir halt noch mitgingen. Aber sobald wir in das Dying Priest Cottage hineingingen (irgendeine Szene mit einem sterbenden Priester wurde dort gedreht), schlichen wir uns heimlich hinaus, um nicht noch weiter Ueberredungsversuchen ausgesetzt zu werden und holten uns vom Office das Geld zurueck. Danach fuehlten wir uns beide ein wenig schlecht, da wir so unhoeflich dem Guide gegenueber waren, obwohl er sich dann sehr bemueht hatte, uns zu beweisen, dass die Tour sein Geld wert war. Aber wir sahen halt keinen Sinn dahinter, da wir beide den Film nicht kannten. Den Rest der Zeit in Cong waren wir stets darauf gefasst, ja nicht in die Gruppe hineinzulaufen, was bei zwei Hauptstraßen und drei Nebenstraßen wirklich schwer war. Wir gingen in den Wald um dort zu spazieren und beschlossen, unsere eigene Ghost-Tour zu veranstalten. Wir erzaehlten uns gemeinsam eine Gruselgeschichte, wenn jemand nicht mehr weiterwusste, erzaehlte die andere einfach weiter. Als wir unter einem Torbogen, auf dem das Gesicht eines Koenigs zu sehen war, hindurchgingen, ging die Geschichte los: „Es war einmal ein Koenig, der hatte eine Tochter (ja, hier klang es noch ein bisschen lange nach Maerchen), die in den Wald hineinging. Als sie unter dem Torbogen hindurchschritt kam sie in ein verwunschenes Gebiet, in dem die Baeume sich bewegen und sprechen konnten. Der groeßte unter ihnen verschlang sie und sie landete in einer Welt wie in Alice im Wunderland, nur viel duesterer und gefaehrlicher. In diesem Land lebte ein Koenigspaar das eine Schreckensherrschaft fuehrte. Alle Menschen, die groeßer als 1.60m waren, waren die Sklaven und Knechte und mussten fuer die Adeligen, die unter 1.60m, arbeiten. Irgendwann gab es einen Aufstand bei dem die Prinzessin, die 1.78m groß war, dem Koenig so nahe kam, dass sie die Moeglichkeit hatte, seine Herrschaft ein fuer alle mal zu beenden, indem sie ihn erstach. Auf einmal stellte sich aber heraus, dass sie in einem Traum gefangen war und schlafwandelte. Sie erstach ihren eigenen Vater. Aus Groll und Frust und schlechtem Gewissen spukt sie heute noch im Wald herum und wer weiß, vielleicht steht sie gerade hinter dir?“ Als wir dann am Weg draufkamen, dass die gesamte Runde noch 4km weit war (und wir sind ja faule Menschen) und daher umdrehten fuegte ich hinzu: „Und jeden, der wieder aus der selben Richtung zum Torbogen zurueck kommt, weil er zu faul war die ganze Runde zu gehen, wird ihr Fluch beruehren und sie werden selbst zu Schlafwandlern.“ Geli und mich betraf das natuerlich dann doch nicht, da wir dann eine Abkuerzung durch den Wald nahmen und von der richtigen Richtung herkamen. Außerdem haben wir unseren Lucky Leprechaun und unsere Elfchen, die um uns herumschwirren. 😛 Wir kamen dann zu den Ruinen von einer großen Kirche, bei der schon sehr viel fehlte, und Geli erzaehlte, dass diese Kirche von Raeubern erbaut wurde, sie haben aus der ganzen Welt die Baumaterialien gestohlen und dort zusammengebaut zu einer Kirche. Weil man aber nicht stehlen soll, war die Kirche verflucht und es passierten staendig Ungluecke: Einmal schlug ein Blitz ein, dann brach ein Brand aus, und so weiter. Bis dann irgendwann kaum noch etwas da war. Die Einwohner der Stadt, die gar nichts mehr mit den Diebstaehlen zu tun hatten, errichteten dann inmitten der Ruinen eine neue Kirche, um den Spuk zu beenden und der Ort wurde zu einem heiligen Ort.

Ja, unserer Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Nach Cong fuhren wir durch das Connemara Gebirge hinueber Richtung Clifden. Ich war fasziniert von den Bergen und Huegeln mit den vielen Seen dazwischen und dem gruenen Gras (es ist wirklich VIEL gruener als in Oesterreich, halt an manchen Stellen). Ich hab mich sofort in die Landschaft dort verliebt. Ich weiß, ich bin Oesterreicherin, wir haben bei weitem hoehere Berge als die 800m (und die meisten erreichen nur 760) in Connemara, aber die Landschaft hat echt was. Felsen, Seen, ganz meines. Viel zum Klettern 😉 Am Ende des Tales sollte angeblich – laut Reisefuehrer – eine Mini-Halbinsel sein mit der bekannten Sky Road, einer 12km langen Kuestenstraße. Also fuhren wir einfach dort auf diesen Zipfel und landeten im absoluten Nirgendwo. Es war aber ein schoenes Nirgendwo, wir fanden uns dort einen tollen See der direkt neben dem Meer lag und aßen Brote und Wurst zu Mittag. Um dort hinzugelangen mussten wir vier Stacheldrahtzaeune ueberqueren, aber das war es uns wert. Beim Rueckweg fanden wir sogar ein Gatter, Geli kletterte sportlich darueber und fand dann heraus, dass daneben einfach ein normaler Durchgang war. Tja, das Motto unserer Reise: Warum einfach, wenn’s auch kompliziert geht? 😛

Danach fuhren wir die „Sky Road“ weiter, bis wir auf einmal vor einem Schild standen, das zeigte, wie ein Auto ins Wasser faehrt. Als Warnung, sozusagen. Und da standen wir nun an einem Hafen und es ging weder nach links, noch nach rechts, nur mehr zurueck. Aber hier wohnten tatsaechlich auch Menschen. Sie hatten sogar ihre eigene Kirche, und die Schnur zur Glocke hing einfach so herum… wir waren seeehr versucht. Also alles nochmal zurueck und hinein nach Clifden, da der Sprit schon gefaehrlich Nahe der Nullgrenze kam. Dort fanden wir dann auf einmal Schilder zur echten Sky Road und versuchten unser Glueck somit ein zweites Mal. Diesmal waren wir richtig. Ein paar Fotos hier und dort und dann ab nach Kylemore zur „romantischsten Abbey in Irland“ (dorthin verfuhren wir uns auch nochmal um 20 Minuten). Die Abbey war eigentlich frueher ein Wohnhaus, nach dem Tod der Besitzer wurde sie aber von Nonnen gekauft und zu einem Kloster umfunktioniert. Spaeter war dann auch noch eine Schule vom Benediktiner Orden darin, die ist auch heute noch dort. Heute leben auch noch Leute in manchen der zahlreichen Raeume, 5 Raeume sind zur Ausstellung geoeffnet. Ein Highlight sind auch die Gaerten, die der Besitzer innovativ gepflegt hatte. Er erzeugte auch seine eigene Elektrizitaet mit dem Wasser des Berges ueber der Abbey. Geli und ich spielten „Fast-Food-Touristen“ (den Begriff haben wir von den Wienerinnen im Pub gelernt), da wir nur noch eineinhalb Stunden fuer das unglaublich große Gelaende hatten. Es war aber wirklich sehenswert und total schoen. Es gab auch einen großen Stein der die Form einer Buegeleisen-Unterseite hatte und den laut einer Legende zwei Riesen von einem Berg zum anderen geschossen haben und dort blieb er dann liegen. Seitdem sagt man, dass wenn man sich ruecklings zum Stein hinlegt und einen Kieselstein ueber die Schulter wirft, wird der Wunsch war, sofern man es schafft, ihn ueber den Stein drueber zu werfen. Ich schaffte es auf Anhieb, bei Geli galt „Doppelt haelt besser.“.

Das Wetter war uebrigens wunderschoen, hatten wir ja auch zuvor in mehreren Kirchen Kerzen angezuendet. Die Sonne strahlte und der Himmel war … himmelblau ;-). Nach der Abbey fuhren wir dann Richtung Castleberg zu einem Camping Platz. Auf dem Weg dorthin wurden wir sehr hungrig, also setzten wir uns noch in einen Pub und aßen Toast. Im Pub war die Hoelle los aufgrund des WM-Finales. Nichts mit Live-Musik heute. Die Iren hielten eindeutig zu den Argentiniern, als sie erst super laut vor Freude aufbruellten und dann enttaeuscht motzten. Wir wollten nicht bleiben, fuhren zum Campingplatz und nun sitze ich hier im Restaurant (haetten wir gewusst, dass die hier so gutes Essen haben, zum Beispiel Pies, haetten wir uns nicht mit Toas im Pub begnuegt), lasse mich vom Fernseher und den haufenweisen Deutschen in diesem Raum anbruellen, und schreibe diesen Bericht zu Ende. Gute Nacht!

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