11.07.2014 – Day 8

blog8

Geli weckte mich heute mit den Worten: Julie, es ist schon dreiviertel acht auf, da wir um acht vorhatten zu Fruehstuecken, ich aber davor noch duschen wollte. Ich wunderte mich darueber, dass mein Wecker nicht gelaeutet hatte und kontrollierte das gleich nach. Tatsaechlich war es aber erst 06:50 und ich haette eigentlich noch 40 Minuten schlafen koennen. Naja, kann passieren, diese Technik stellt sich ja gerne ohne zu fragen um und spielt verrueckt. Ich doeste also noch kurz vor mich hin, ging dann Haare waschen und mit Geli fruehstuecken. Wir hatten wieder Irish Breakfast bestellt, da uns das im letzten B&B so gut geschmeckt hat. Allerdings waren wir diesmal ein wenig enttaeuscht. Obwohl der Speck besser und duenner geschnitten war, schmeckten die Wuerstel einfach nur grauenvoll und es gab auch noch Blunzn, etwas das ich selten bis nie, und schon gar nicht in der Frueh hinunter bekomme. Geli verließ schon frueher den Fruehstueckstisch, da ich am Vortag meine Waesche gewaschen hatte und die nun leider nicht getrocknet ist und gefoehnt werden musste. Außerdem musste auch das Zelt noch ausgewischt und abgebaut werden, wir wollten aber frueh genug im Nationalpark losstarten. Der Hausherr gab mir noch etliche Tipps mit auf den Weg, und ich ging dann ins Zimmer weiter foehnen. Irgendwann, nach etwa 30 Minuten, klopfte die Hausherrin an und fragte boese, warum der Foehn schon so lange liefe. Ich meinte, dass wir beide Haare gewaschen hatten, was auch die Wahrheit war, und beide sehr lange Haare haben und das nun mal etwas dauern kann bis die trocknen. Daraufhin meinte sie nur, dass das jetzt zu lange war und wir aufhoeren sollten. Das sind wohl die fehlenden 10 Euro, weswegen wir uns jetzt nicht mal die Haare foehnen duerften. Schon eigenartig. Weiterempfehlen kann ich das B&B prinzipiell nicht, auch wenn sie mir nett entgegen gekommen sind, der Hausherr sehr lieb war, die Betten waren ungemuetlicher als das Zelt und es stank als wuerden wir auf einer Kuhweide schlafen.

Wir packten unser Sachen und fuhren in Richtung Nationalpark. Mein Gewand war leider nicht trocken, also lag im Auto verteilt nasse Waesche herum. Wir verfuhren uns in die Stadt Killarney hinein und zufaelligerweise hielten wir vor einem „Penney’s“ – die irische Version vom Primark. Meine Chance, fehlende Waesche zu besorgen! Schwupps einen 20 Minuten Schein bezahlt – in der Ladezone abgestellt: „As soon as you have your ticket you can park there, that’s fine.“ (Ich bekomme das Gefuehl, die Iren parken eh ueberall), und Fast-Clothes-Shopping losgelegt. Es war recht stressig, aber ich war die die meinte: „Geli, ich brauch ne Leggins, hau mir zwei her die mir passen. Und eine Jogginghose. Und von den zwei Roecken auch gleich bitte. Welches Tshirt glaubst du soll ich nehmen?“ Geli war also meine persoenliche Einkaeuferin und ich vertraute ihr voll und ganz – Umkleidezeit war nicht gegeben. Gluecklicherweise passt bis jetzt alles. Im Nationalpark zog ich zuerst guter Dinge Wanderschuhe an, aber mit duennen Socken waren die nicht das Wahre. Wir fuhren Richtung erstmal zu einem Wanderweg und wurden unterwegs gleich von einem Kutschenfahrer angehalten. Dieser war sehr lustig, versuchte mit uns zu feilschen und Sonderangebote fuer eine Kutschenfahrt zu machen (Von 60 Euro bis 40 Euro), aber irgendwann meinte Geli, das geht nicht, weil eigentlich muesse ER sie bezahlen, damit sie ueberhaupt in die Naehe des Pferdes kaeme. Er lachte und meinte, ich solle das naechste Jahr nochmal ohne sie kommen und dass das Pferd aber eh total zahm und ruhig ist. Wir beharrten auf unserem Nein, er meinte nur „Aaah.. .the Euro is bad… for me too!“ und fragte uns, ob wir aus Deutschland kamen. Ich meinte: „No, Austria“ und er: „Aah, I’m terribly sorry. Calling you German is like calling me an English man.“ Das Gespraech war nett, die Kutsche wollten wir aber nicht. Wir fuhren noch ein Stueck weiter und kamen dann zum Parkplatz. Ab da hieß es zu Fuß weiter. Uns hielt ein weiterer Kutschenfahrer an der begann, mit uns zu feilschen. Wir blieben beharrlich, ich meinte, wir waeren Studentinnen und koennen uns auch keine 35 Euro pro Kutschenfahrt leisten, da meinte er: Na gut, dann fahrt mit dem Auto durch, ich werde euch nicht aufhalten, aber es sind 8km bis zum Gap, das ist zu weit zum Gehen fuer euch. Ich meinte: Aber werden wir dort dann keine Strafe bekommen wenn wir da einfach durchfahren? Er: hmmmmmm naajaa… laechelt einfach lieb, dann geht das schon,… Tja! Bei den Iren geht wirklich alles „schon irgendwie“. Wir beschlossen, das Auto lieber stehen zu lassen und wieder brav Sport zu machen, aber nach fuenf Minuten Fußweg kam uns ein weiterer Kutschenfahrer mit vier Pferden entgegen. Gleiche Prozedur, aber dieser wollte uns fuer 20 Euro mitnehmen. Letztendlich sagten wir dann doch ja und ich begruesste Harry Potter, das Pferd. Zu Geli’s Bedenken gegenueber Pferden meinte er: „Don’t worry, Harry is vegetarian.“ Als ich dann oben auf der Kutsche saß, bereute ich es kurz ein wenig, da Kutschenfahren eigentlich prinzipiell nicht so meines ist, weil mir die Pferde furchtbar Leid tun. Wir fuhren etwa 20 Minuten an vier Seen vorbei und als wir beim Letzten ankamen, ließ er uns absteigen und ein wenig herumspazieren. Bei Geli und mir heißt Spazieren prinzipiell nicht, die Wege zu benutzen, sondern auf irgendwelchen Steinen, diesmal im See, herumzuklettern. Macht auch viel mehr Spaß! Dann machte unserer Fahrer noch ein Fotoshooting mit uns, Kutsche und Harry. Ich ging ein bisschen zu Harry kuscheln und entschuldigte mich bei ihm, weil ich doch ein wenig ein schlechtes Gewissen hatte, dass ich jetzt doch noch mit der Kutsche gefahren bin. Er schnaubte mich an, aber ein Bussi wollte er dann nicht mehr. Der Fahrer war aber gluecklicherweise sehr lieb zu ihm. Er fragte uns wie uns Irland gefiel, und auch, was wir von den Irischen Straßen hielten. Offenbar ist auch den Iren bekannt, dass ihre Straßen teilweise sehr… eigen sind. Prinzipiell sitzt man mal schief im Auto, weil die Straße immer auf eine Seite schief haengt, es sind ueberall Schlagloecher (angeblich hier und da sogar aufgeklebte, damit die Iren das Tempo reduzieren), und 80er Zonen sind meist nur mit maximal 50 befahrbar. Geli faehrt eigentlich auch schneller als die meisten Iren, die sind alle sehr gemuetlich (oft uebertrieben). Außerdem sind manchmal die Straßen so eng, dass wir gluecklich sind, mit einem Fiat 500 unterwegs zu sein. Nach der Kutschenfahrt, die uns wieder zum Auto zurueck fuehrte, fuhren wir zum Ross Castle, das sich ebenfalls im Nationalpark befindet.Wir spazierten herum, aber wollten nicht eine dreiviertel Stunde auf die Fuehrung warten, da wir ja den Norden auch noch schaffen und somit Zeit sparen wollten. Außerdem hatten wir ja noch einige Schloesser am Plan und schon etliche gesehen. Die Aussicht war aber toll!

ross_castle

Danach schlenderten wir noch zum Muckross House, ebenfalls nur um die Gaerten und die Aussicht zu genießen. Außerdem gab es da ein Restaurant, in dem wir unser Mittagessen zu uns nahmen. Anschließend fuhren wir noch ein Stueckchen weiter in den Nationalpark hinein, um zum Torc Wasserfall zu gelangen. Dieser lag etwa 200m vom Kundenparkplatz entfernt. Diese 200 Meter legten wir allerdings wie immer nicht auf normalem Wege zurueck. Als wir zwei Schritte auf dem Fußgaengerweg gegangen waren, meinte Geli: „Ich wuerde eigentlich viel lieber da unten herumgehen,“ und zeigte auf die Felsen neben dem Baechlein. Daraufhin meinte ich: „Na dann machen wir das,“ und war zu Gelis anfaenglichem Entsetzen auch schon unten. Mit Stativ und Kamera in der Hand, Sneakers und Converse. Das nenn ich mal eifrig! Aber wir gelangten auch so zum Wasserfall, nur um oben drauf zu kommen, dass ich das kleine Plaettchen vergessen hatte, mit dem ich meine Kamera auf das Stativ stecken kann. Also ging ich den normalen Weg nochmal hinunter und wieder hinauf – sportlich! 😉 Oben gab’s ein Gedraenge um den besten Fotoplatz, aber ich ließ mich nicht beirren. Geli und ich ueberlegten, die Picknickdecke auszurollen und Yoga zu machen und zu meditieren, weil es so schoen dort war, aber es waren uns dann doch zu viele Touristen und wir beschlossen, das auf Dingle zu machen. Die kleine Halbinsel war auch schon unser naechstes Ziel. Geli hat gerade festgestellt, wie komisch es ist, dass die Iren Dingle, Kerry und Co als Halbinsel bezeichnen, wo sie doch selbst eine Insel sind. Ich rede auch die ganze Zeit vom Festland, befinde mich aber eigentlich nicht darauf… Dingle wollten wir eigentlich nur durchfahren, weil die Insel angeblich so schoen wie der Ring of Kerry, aber weniger befahren ist. Den Ring haben wir ja auslassen, zu Gunsten des Nationalparks. Also fuhren wir Richtung der gleichnamigen Stadt Dingle, wo ja bekanntlich der Delfin Fungi leben soll. Dieser ist schon seit den fruehen 90er Jahren im Hafen und spielt gerne mit Touristen und Boten. Er liebt es, wenn die Schnellbote sich im Kreis drehen und er herum schwimmen kann. Die Stadt wurde dadurch zu DEM Touristenziel auf der Halbinsel. Ich frage mich ja, was passiert, wenn Fungi mal nicht da ist. Jedes zweite Geschaeft handelt um Delfine, ein Restaurant wird nach ihm benannt, ueberall sind Delfin-Souvenirs… Der Hafen geht ueber von Booten die einem Dolphin-Watching – ohne Geld zurueck Garantie – anbieten. Geli und ich gingen lieber den anderen Hafen etwas abseits ab und riefen nach ihm, aber er ließ sich leider nicht blicken. Dafuer fanden wir etwas ganz tolles in dem Laden „The Dingle-Elf“: Geli fand eine kleine Tuere, die man sich in die Sockelleiste einbauen kann und dann zieht eine Elfe dort ein, und ich fand eine gefangene Elfe im Glas. Das mag jetzt zwar brutal klingen, aber zu Hause lasse ich sie ja auch frei und sie darf kommen und gehen wann sie will :-). Sie sieht aus wie die Fee von Cindarella. Und sie ist die gute Mama-Elfe, die allen, auf die sie aufpasst, Glueck bringt. Man muss sich gut um sie kuemmern und auf sie aufpassen. Die Ladenbesitzerin war total lieb, sie war richtig gluecklich, als sie gesehen hat, wie gluecklich ich mit meinem Fund war, und meinte, dass sie froh waere, dass die Elfe nun endlich ein gutes Zuhause gefunden hatte.

Nach Dingle ging es ueber den Connor Pass weiter auf die andere Seite der Halbinsel. Der Connor Pass punktet ja laut Reisefuehrer mit der „perfekten Aussicht“. Nun, ich werde kein Foto von dieser perfekten Aussicht hochladen, denn ein graues Blatt Papier wuerde reichen, um zu sehen, was wir lange Zeit gesehen haben. Wir waren schon fast enttaeuscht ueber die Wahl ueber den Connor Pass zu fahren, zumal ja auch die Straßen extrem schlecht und eng waren, als ich linkerhand einen kleinen Wasserfall fotografieren wollte. Ich sah, dass von oben zwei Maedchen die Felsen herab kletterten – und da waren Geli und ich natuerlich sofort dabei. Und gut war es! Wir kletterten hinauf und hinauf und hinauf und auf einmal standen wir vor einem riesigen Bergsee. Direkt vor unseren Fueßen! Als wir uns umdrehten, war die Aussicht schon viel besser, der Nebel hatte sich ein wenig gelichtet und wie ein rosa Schleier ueber das Tal gelegt, das hat dem Ausblick eine ganz eigene Atmosphaere gegeben. Nach gefuehlten 200 Fotos und meiner Angst um die etwas angenieselte Kamera, fuhren wir dann doch weiter. Wir fanden den perfekten Platz oben beim See an einem Felsvorsprung fuer unsere Yoga-Uebungen, leider regnete es uns dann aber doch zu viel.

meditation

Urspruenglich hatten wir geplant, heute Abend noch zum Bunratty Castle zu fahren, da die jeden Abend ein Bankette veranstalten mit Live-Musik und Festmahl, Honigmet, etc. um uns das irische Mittelalter naeher zu bringen. Nach einem kurzen Anruf mussten wir leider enttaeuscht feststellen, dass bis Sonntag schon alle Plaetze besetzt waren. Somit beschlossen wir, zum Campingplatz in Adare zu fahren, da Adare als wunderschoenes Dorf, mit Englischem Flaire, angepriesen wird, das besonders bekannt fuer seine „Cottages“ – kleine Huetten mit Strohdaechern, ist. Diese wollte ich schon lange fotografieren, also traf sich das ganz gut. Beim Campingplatz fragten wir gleich, wo wir einen Pub mit Live-Musik finden koennten, und als er dann auf dem Stadtplan so circa jeden cm ankreuzte, wurde uns klar, dass wir heute keine lange Suche vor uns hatten.

Wir stellten also unser Zelt auf und machten uns auf den Weg in die Stadt. Wir kehrten in Sean’s Pub ein (der Name geht eigentlich anders, irgendetwas mit Sean und Son,…) und lernten – wie immer – erst mal einen Haufen alte Leute kennen. Die Live Musik war leider sehr leise, aber dennoch schoen. Es spielten eine Quetschen, eine Fiddle und ein irisches Banjo-aehnliches Instrument. Wir verhielten uns ebenfalls wie alte Leute und bestellten uns erstmals Tee und Mehlspeise (um 21:00). Trinken wollte niemand von uns! Die Mehlspeise war koestlichst, wir aßen einen selbstgemachten Apfelkuchen und einen Schoko-Keks-Kuchen. Der Letztere war uns voellig unbekannt aber so gut, dass wir gleich mal um das Rezept baten. Der Barmann gab es uns nur zoegerlich, war aber begeistert zu hoeren, dass wir von Oesterreich kommen, wir boten ihm im Gegensatz dazu das Gugelhupf Rezept an, er wollte es eh nicht, aber fand das Wort besonders lustig. Jetzt wo ich darueber nachdenke, ist das wirklich ein lustiges Wort… Irgendwann, als die Live-Musiker gerade eine Pause machten, hoerten wir neben uns Deutsche Worte und erkannten, dass sie Oesterreichisch klangen. Wir kamen mit den beiden Maedels ins Gespraech, auch sie waren gerade auf einer Rundreise in der unteren Haelfte Irlands, hatten dafuer 8 Tage Zeit. Wir tauschten Tipps und Erfahrungen aus und schließlich fragten sie uns, ob wir schon das beste Irische Bar-Getraenk getrunken hatten: Jameson mit Ginger Ale und einer Limette. Wir verneinten. Ich wollte nichts trinken, also hatte ich heute meine erste Fahrt im Linksverkehr vor mir. Außerdem bin ich nuechtern eh schon so verrueckt, da brauch ich das nicht auch noch zu steigern 😛 Geli war begeistert von diesem Getraenk. Wir quatschten noch bis etwa 23:30 und verabschiedeten uns dann vor der Tuer voneinander, nicht ohne unsere Daten ausgetauscht zu haben. Geli und ich wollten noch schnell zu den Cottages vorgehen um sie zu fotografieren, gingen drei Schritte, hoerten aus einem Pub weitere Live-Musik und schwupps standen wir schon drinnen. Der Saenger sang moderne Lieder mit irischem Stil: Pink, Green Day,… Irgendwann kam der juengere Barmann (der Son, vermutlich) vom ersten Pub herueber, winkte uns mit einem „Hello Ladies“ zu und spendierte etwas spaeter zwei Drinks. Geli kommentierte dies mit einem charmanten: „Cool, dass er uns zugeprostet hat, obwohl wir so abgefuckt aussehen.“ Na, dann danke fuer die Wir-Form! Wir kamen mit etlichen Leuten aus Adare ins Gespraech und alle wollten von uns hoeren, wie Oesterreich so ist, wie wir Irland moegen, warum wir Wien gar nicht so sehr moegen, und und und. Wir trafen auch einen Iren, der drei Jahre lang in Oesterreich gearbeitet hatte. Er kannte sich besser in Wien aus als ich… Na gut, zumindest mit den Pubs dort, er schrieb mir eine Liste von etwa fuenf Pubs auf, zu denen wir unbedingt mal gehen muessen. Der Abend verging, wir lernten viele Ir(r)en und ihre Sauf-Mentalitaet kennen und letztendlich wurde es Sperrstunde (um 02:00). Dann fuhren wir zurueck zum Camping Platz um noch ein paar Stunden Schlaf zu bekommen.

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