05.07.2014 – Day 2

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Am naechsten Morgen standen wir um 07:00 auf und achteten nicht auf unser lautes Sprechorgan. Irgendwann kam unser Zeltnachbar heraus und gaehnte mir ein unglueckliches „Good Morning“ entgegen. Ich hatte nach meiner kurzen Nacht allerdings herzlich wenig Schuldgefuehle und in meinem Kopf spielte sich folgender Dialog ab: „Good Morning *boeseschau*“ – „Shit happens *grins*“. Danach erlaubte ich es mir sogar, mich ein wenig an Gelis Auto zu gewoehnen, bevor ich mich auch noch auf den Linksverkehr konzentrieren muss. Wir fuhren in der Frueh vom Campingplatz weg und weil wir so viel Zeit hatten, und die Ortschaften so nett fanden, vermieden wir die Autobahn. Dadurch hatten wir zwar einen Weg der 2 Stunden laenger dauerte, aber der Charme hat uns verzaubert. Die Belgier hatten, wie die Englaender, kleine Backsteinhaeuser mit schoenen Gaerten.

Unterwegs blieben wir bei einer kleinen Kirche stehen, Geli zuendete zwei Kerzen an fuer ihre Großeltern, ich probierte zum ersten Mal das Stativ aus. Klappte ganz gut, jetzt zitterte nicht mehr die Kamera, sondern das ganze Stativ! Grandios, diese Technik! Nach der Kirche haben Geli und ich Platz getauscht, weil ich doch zu muede war nach dieser schlaflosen Nacht. Allerdings stellte sie sich genauso geschickt an. Des oefteren auf unserer Fahrt hatte ich sie schon mit „Bremsen“ angeschrien, woraufhin sie mir jedes Mal versicherte, dass sie das gerade tat. Ich verkniff mir seitdem gerne saemtliche Kommentare und befand mich in einer immensen Zwickmuehle, als sie immer noch im selbigen Tempo auf eine rote Ampel zu fuhr: „Sollte ich nun wieder nerven und Bremsen schreien??“ Im Letzten Moment hielt ich es fuer eine gute Idee. Sie war mir dann ganz dankbar. Ich war nicht weniger verwirrt, wunderte ich mich doch darueber, dass im Feld nebenan lediglich zwei Schafe grasten. Als diese sich aber aufrichteten und zweibeinig weitermaschierten, erkannte ich meinen Irrtum: Es waren zwei Feldarbeiter, schwarze Hose, weißes Tshirt und schwarze Haare, in gebueckter Haltung. Ich finde, zum Verwechseln aehnlich. (Anmerkung Geli: Du verfaelscht hier die Tatsachen, das war gestern! Ich: Ja, bin aber zu faul, das nachzutragen, außerdem liests dann keiner mehr!). Die Beschilderungen der Ortschaften waren auch oft interessant; so gab es einmal Nazareth und einmal „Sauf Service“ – was das wohl zu bedeuten hatte?

In Dünnkirchen angekommen, suchten wir dann verzweifelt nach der Fähre. Wir fuhren durch das Zentrum, einfach drauf los, fanden aber nicht viel. Die kleinen Boote im Hafen sahen nicht vertrauenswuerdig genug aus, um dort zu parken. Deswegen fragten wir letztendlich verzweifelt einen Passanten der gerade in sein Auto stieg: „Excusez! Parles vous Anglais?“ – „Un petit peu!“ Dieser war außergewoehnlich nett, er sah fuer uns im Internet nach der Adresse und der Wegbeschreibung. Er fuhr zufaelligerweise vor uns in unsere Richtung und stieg mitten bei einer Ampel aus um uns nochmals nach rechts zu deuten! In Oesterreich waeren die Leute viel zu faul dazu und ich schmolz dahin, weil ich so ueberrascht war, wie nett manche Menschen sind!

Unsere „kleine Verfahrung“ stellte sich als ein Umweg von etwa 40 Minuten heraus. Ja, so kann’s gehen! Dennoch kamen wir viel zu frueh bei der Faehre an und waren reichlich ueberrascht als wir uns schon einreihen sollten. Wir spielten vertieft Blokus, als es auf schon kurze Zeit spaeter hinter uns hupte. Wir stellten fest, dass die anderen Autos vor uns schon alle auf dem Weg hinauf in das Schiffsinnere waren. Es ging doch recht langsam voran, darum wurde Blokus wieder interessant – zur Begeisterung der Aufseher, einer von ihnen klopfte irgendwann halt mal an unser Fenster um uns zu bitten, doch auch mal auf die Faehre zu kommen. Wir waren fast die letzten auf der Faehre und hatten einen Parkplatz fast vor dem Aufgang zum Deck. Wir wunderten uns, als bereits um 14:00 die Fahrt losging – 2 Stunden vor unserem eigentlichen Abfahrtstermin. Wir verbrachten die Fahrt gemuetlich mit Spielen und 2 Stunden spaeter waren wir schon in Dover angekommen. Dort machten wir uns mit einem Mantra „Links, Links, Links, Links, Links… halten“ auf den Weg. Geli machte das sehr gut, um 21:00 kamen wir an unserem Campingplatz in Cardiff an. Davor fanden wir auf einer Raststaette wieder einen neuen Freund, der uns verzweifelt fragte ob er bei uns mitfahren koenne, er wuerde sich auch unter das Gepaeck legen. Er wartete schon seit vier Stunden auf jemanden der nach London fuhr – das war eigentlich nur 20 Minuten entfernt. Der Platz befand sich mitten im Schlossgarten, die Rezeption hatte leider nicht mehr offen, also stellten wir unser Zelt halt einfach dort auf, wo wir es fuer richtig hielten. Motiviert machten wir uns dann noch auf dem Weg zum Cardiff Schloss, wo es angeblich in einer Fußgaengerzone gute Pies geben sollte. Die Fotomotive waren da, das Stativ bereit – das Talent fehlte allerdings. Ich tat mir sehr schwer! Auf dem Hinweg kletterte Geli auf einen Baum und ich in die Brennesseln. Endlich erreichten wir dann den Pie Minister – und es hatte sich ausgezahlt. Auch wenn wir schon wirklich muede waren, genossen wir doch das warme Essen. Am Rueckweg durch die Stadt hielt ich es fuer eine gute Idee mich mitten auf die Straße in der Fußgaengerzone zu stellen und Fotos mit dem Stativ zu machen. Geli ging inzwischen Fruehstueck kaufen, waehrend ich mich mit Verschlusszeiten herumquaelte. Fotos macht ich keine guten – aber Freunde fand ich einige. Immer wieder rannte mir jemand vor die Kamera, zeigte ihr die Zunge oder sprach mich auf irgendetwas an. Schließlich gab ich mein Vorhaben auf und wollte mich zu Geli gesellen, als mich von der Seite ein Obdachloser auf Englisch ansprach: „Hey, wovon machst du denn da Fotos?“ Und schon hatte ich Karl, meinen guten obdachlosen Freund aus Cardiff, kennengelernt. Er bat Geli und mich sogleich um Jeans, wir hatten aber nur Jogginghosen an und wollten uns dann doch nicht vor aller Welt entbloessen. Geli hatte Muffins gekauft, auch die sorgten fuer neue Freunde. Vor einem Pub wurden wir von Mike und „The Soldier“ (wir wussten nicht wie er hieß, aber dass er mal diente) angesprochen: „These Muffins aren’t good for you, but they are good for me.“ So kamen wir in ein laengeres Gespraech, wo unter anderem folgende Kommentare fielen: „Wenn euch so Idioten wie wir ansprechen, dann redet nicht mit ihnen.“, „Where from England are you from? – Austria!“„I can speak a little German: 1,2,3,4,5 Bier bitte. Und: Eine große Bier bitte!“. Sie ließen uns kaum gehen, aber dann meinte Mike: „My beer is running away, I need to go.“ und wir kamen wieder voran. Obwohl ich das Stativ schon verpackt hatte, bewies ich immer noch mein Geschick damit und stieß es mir ins Auge. (Zum Glueck ist es auch am naechsten Tag nicht blauer als sonst gewesen). Beim Heimweg war es schon ziemlich stockdunkel (Geli’s Mama hat’s ja gesagt….) und wir mussten einen langen Park durchqueren. Mir wurde langsam mulmig zu Mute und ich drehte mich immer oefters um. Auf einmal raschelte es rechts von mir, ein Monster schrie mich aus dem Gebuesch an, ich sprang einen Schritt zur Seite und riss Geli gleich mit, die das ganze ruhig mit einem „Was machst du, das war ein Frosch“ kommentierte, die Muffins in ihrer Hand konnte sie gerade noch vor meiner stuermischen Umarmung retten. Mein Herzklopfen fuehlte sich aber so gar nicht nach Frosch an und ich war sehr gluecklich als wir dann am Campingplatz endlich das Zelt fertig aufgebaut hatten und ich mich darin vor allen Froschmonstern verstecken konnte. Leider befanden sich auch im Zelt diverse Monster (kleine Kaefer zum Beispiel) und ich fuerchtete mich schon vor der Eiweiszufuhr in dieser Nacht.

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